I. Abschnitt. Allgemeine Lehren.
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tatigkeit in Anspruch nimmt, während außerordentliche Ausgaben
jene sind, welche nicht jährlicher, vorübergehender Natur sind. Nach
dieser Unterscheidung bilden die ordentlichen Ausgaben gewissermaßen
das umlaufende Kapital, die außerordentlichen das stehende
Kapital. So gehören namentlich die Investitionen in die Rubrik
der außerordentlichen Ausgaben, auch wenn sie jährlich vorkommen.
So kann z. B. ein Flottenprogramm, ein Bauprogramm, ein Verkehrsprogramm
auf 25 Jahre verteilt werden; die Beträge gehören
also zu den außerordentlichen Ausgaben, obwohl sie jährlich vorkommen
und auch voraussehbar sind. Den letzteren zwei Momenten
entsprechend würden sie aber nach obiger Auffassung nicht zu den
außerordentlichen Ausgaben gehören. Die außerordentlichen Ausgaben
lassen sich also auf drei Kategorien verteilen: 1. außerordentliche
Ausgaben sind jene, welche nicht vorhersehbar sind, also im
Budget überhaupt nicht vorkommen, wie Elementarschäden, Kriege;
2. außerordentliche Ausgaben sind jene, welche nicht der regelmäßigen
Funktion des Staates dienen und daher nicht alljährlich
im Budget vorkommen; 3. außerordentliche Ausgaben sind endlich
jene deren Nutzen nicht mit einem Jahre verschwindet, sondern
wo die Jahresfunktion eigentlich nur die einjährige Frucht vertritt.
Die Unterscheidung beruht also im wesentlichen auf einer technischen
Differenz, wie dies auch Cohn hervorhebt; der Ausdruck
„außerordentlich“ will nicht immer die Ungewöhnlichkeit der Erscheinung
bedeuten. Hieran erinnert auch Schaffte, der übrigens
sechs Fälle der Außerordentlichkeit auszählt 1 ). Die Schwierigkeit
ist wohl auch dadurch zu umgehen, daß laufende Ausgaben, Investitionen
und außerordentliche Ausgaben unterschieden werden
und dann unter außerordentlichen Ausgaben tatsächlich jene verstanden
werden, welche außerordentlichen, ungewöhnlichen Charakter
besitzen. Diese Unterscheidung würde auch leicht in den allgemeinen
Sprachgebrauch eingehen können Mit Recht weist Schaf sie
auf den Umstand hin, daß der außerordentliche Bedarf eigentlich
Ausfluß der kurzfristigen Periodizität des Staatshaushaltes ist.
Würden diese Perioden sehr lang sein, so würde alles Außerordentliche
verschwinden, würden sie kürzer sein, so wurden alle Bedar e
außerordentliche sein *). Noch heute verdient die Auffassung Sonnei -
feis’Beachtung, der unter ordentlichen Ausgaben jene versteht die
dem gewöhnlichen Zustande des Staates, außerordentliche, welche
dem außerordentlichen Zustande des Staates entsprechen, wie
i) Gesammelte Aufsätze: Zur Theorie der Deckung des Staatsbedarfes.
II. Bd. 8. 249.
s ) A. a. 0. 8. 246.