31V. Abschnitt. Die Deckung der Ausgaben, insbes. der Kriegsausgaben. 145
zwischen Ausgaben und Einnahmen eine innige Relation besteht
und daß die Deckungsmittel sich je nach der Natur des Bedarfes
verschieden gestalten.
Als spezielle, von den allgemeinen Steuern verschiedene Deckungs
mittel kommen namentlich folgende in Betracht: a) spezielle Fonds,
b) Zwecksteuern, c) Gebühren, d) Anleihen, e) Naturalleistungen
und Dienstleistungen.
Was insbesondere die Deckung der Kriegskosten betrifft, so
kommen hierbei namentlich folgende Deckungsmittel in Betracht:
a) der Kriegsschatz, b) Ausgabe von Papiergeld, c) Steuern, d) An
lehen, e) Kontributionen, f) Naturalleistungen, öffentliche Ar
beitspflicht und Arbeit der Kriegsgefangenen. Was den Kriegs
schatz betrifft und dessen Bedeutung, so werden wir hiervon im
nächsten Buche abhandeln. Die Ausgabe von Papiergeld wird als
spezielle Kriegsreserve betrachtet, die, wenn die nötigen Schranken
eingehalten werden, berechtigt und zweckmäßig ist. Doch darf die
selbe nur provisorischen Charakters sein, da eine dauernde Papier-
geldvaluta auf das volkswirtschaftliche Leben in allen seinen Organen
und Funktionen von den nachteiligsten Wirkungen begleitet sein
kann. Um so überraschender ist es, daß trotzdem einzelne Schrift
steller — wie Leroy-Beaulieu — dafür eintraten, daß Frankreich
die Kosten des Weltkriegs mittels Papiergeld zu decken versuche.
Die wichtigsten Deckungsmittel der Kriegskosten bieten sich
in den Steuern und dem Staatskredit dar. Auch hier neigen
manche der einen, manche der anderen Einnahmsquelle zu. Der
französische Finanzminister Ribot gab der Auffassung Ausdruck
{22. Dezember 1914), daß neue Steuern und Steuererhebungen erst
nach dem Kriege eingeführt werden dürfen. In Amerika und Eng
land hat sich die Auffassung entwickelt — wir werden hierüber
heim Staatskredit eingehender verhandeln —, daß Steuern und
Anlehen in Anspruch genommen werden müssen. Amerikas Nord
staaten haben den Bürgerkrieg namentlich mittels Ausgabe von
Papiergeld geführt, dann aber auch energisch die Steuerschraube
angezogen. Auch hier hängt vieles von den konkreten Verhält
nissen ab 1 ).
Über die Verteilung der Kriegskosten auf Steuern und An
lehen in England, zitiert Renaud 2 ) auf Grund eines bis auf das
*) Haart, Finances de gaerre comparee. (Paris 1916.)
Mayer, Uber die Deckung der Kriegsausgaben (München 1916.)
Jeze. Des fluances de guerre de la France. (Paris 1915.)
2 ) Die finanzielle Mobilmachung (Leipzig 1901) 8. 52.
Feldes, Finanz Wissenschaft.
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