Full text : Finanzwissenschaft

XY.  Abschnitt.  Kriegsfinanzen  und  Volkswirtschaft.

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den  Einfluß  der  Kriegsfinanzen  auf  die  Volkswirtschaft,  lassen  sich
namentlich  folgende  Tatsachen  feststellen.
Wenn  wir  z.  B.  ein  Land  wie  Ungarn  vor  Augen  halten,  so
finden  wir,  daß  in  den  Jahren  vor  dem  Kriege  das  Ausgabenbudget
an  2  Milliarden  heranreichte.  Da  die  Kriegsausgaben  Ungarns
reichlich  24  Milliarden  (Ende  des  vierten  Kriegsjahres)  betragen,
so  bedeutet  dies  also  pro  Jahr  ein  Hinaufschnellen  der  Ausgaben ­
  auf  8  Milliarden,  was  also  das  Vierfache  der  im  Frieden
verausgabten  Summen  bedeutet.  Wenn  wir  noch  vor  Augen  halten
daß  in  den  fünf  Jahren  1908—1912  die  jährliche  Steigerung  durchschnittlich ­
  80  Millionen  betrug,  so  werden  wir  eine  Vorstellung  gewinnen, ­
  was  eine  Steigerung  um  6  Milliarden,  eine  Steigerung  auf
das  Vierfache  zu  bedeuten  hat.  Vor  allem  also  bedeutet  es  einen
solchen  Zufluß  an  Werten,  eine  solche  Nachfrage  nach  Gütern
aller  Art,  daß  die  Volkswirtschaft  gewissermaßen  ins  Endlose  sich
zu  erweitern  fühlte.  Eine  gänzliche  Umgestaltung  der  Produktionszweige ­
  ist  die  nächste  Folge  gewesen,  indem  alle  wirtschaftlichen
Kräfte  in  den  Dienst  des  Krieges  gestellt  wurden.  Kriegsmaterial
in  weitestem  Sinne  —  Lebensrnittel,  industrielle  Rohstoffe,  Fertigprodukte ­
  —  wurden  in  ungeahnter  Menge  gefordert.  Den  Bedarf  erhöhte ­
  die  Notwendigkeit,  Vorratswirtschaft  einzurichten  bis  in  die  letzte
Hütte.  Hierzu  kommen  noch  folgende  Erscheinungen  des  Kriegsfinanz,
die  nur  kurz  angedeutet  werden  sollen:  kolossale  Vermehrung  der
Umlaufsmittel,  damit  Geldüberfluß  und  Billigkeit  des  Geldes,  Verallgemeinerung ­
  der  Barzahlung,  geringe  Kreditansprüche,  wodurch  viele
Bankinstitute  als  Kreditgeber  brachgelegt  wurden,  Beschaffung  des
nötigen  Kapitals  für  alles,  was  dem  Heere  dient,  so  Bau  von  Straßen
und  Bahnen,  Anschaffung  von  rollendem  Kapital,  kolossale  Steigerung ­
  des  Warengeschäftes  und  Akkaparierung  desselben  durch  die
Großbanken,  unermeßliche  Steigerung  der  Dividenden  von  Bankund
  anderen  Unternehmungen,  Erstarkung  der  Industrie,  mit  Ausnahme ­
  einiger  notleidender  Zweige  —  wie  die  Bauindustrie  —  und
solche  Kräftigung  der  Unternehmungen,  die  in  Zukunft  fast  jeden
weiteren  Schutz  überflüssig  zu  machen  scheint.  Die  Entwertung
des  Geldes,  die  fabelhaften  Gewinne  erzeugen  ein  Spekulationsfieber,
das  mit  den  größten  Gefahren  verbunden  ist.  Außerordentlich  groß
ist  in  erster  Linie  auch  der  Gewinn  der  Landwirtschaft;  jedes  einzelne ­
  Produkt  bringt  dem  Landmann  immensen  Gewinn,  namentlich
jene,  welche  nicht  maximiert  sind.  Den  Produzenten  von  Wein,
Obst,  Gemüse,  Zwiebeln,  Mohn,  Binse  fließen  Millionen  zu,  die
reichlich  dazu  verwendet  werden,  die  Schuldenlasten  zu  tilgen.
Weitere  Folge:  hohe  Steigerung  der  Bodenpreise,  die  im  Vergleich
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