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4. Buch. Die Staatseinnahmen.
da immer mehr das Prinzip zur Geltung kommt, daß der Staat
nicht aus Sporteln, Gebühren und Taxen die Kosten der staatlichen
Institutionen decken dürfe, ferner der sozialpolitische Gesichtspunkt
an vielen Stellen die Gewährung von Exemtionen nötig macht.
All diesem gegenüber wächst die Bedeutung der Steuereinnahmen.
Am stärksten ist die Bedeutung der Steuern in England entwickelt,
wo dieselben vor dem Kriege mehr denn vier Fünftel der Staatseinnahme
liefern; ferner in den Niederlanden, wo sie über 90 Prozent
betragen. In den meisten deutschen Staaten bewegen sich dieselben
zwischen 25—35 Prozent. In einzelnen Staaten hat die Staatswirtschaft
noch stark patriarchalischen Charakter.
Auf Grund der Erfahrungstatsachen sucht Denis das Grundgesetz
der finanziellen Morphologie festzustellen, im Gegensatz zu
Leroy-Beaulieu und anderen Schriftstellern, die aus den beobachteten
Tatsachen einfach das Gesetz ableiten, daß mit fortschreitender
Kultur die privatwirtschaftlichen Einnahmen des Staates abnehmen,
die staatswirtschaftlichen zunehmen. Nach Denis kann eigentlich
nur soviel festgestellt werden, daß die finanzielle Morphologie einerseits
vom volkswirtschaftlichen und sozialen Leben, andererseits vom
Wirkungskreise des Staates abhängt.
Zu bemerken gilt übrigens ferner, daß die Natur der Staatseinnahmen
auch von der Staatsform abhängt. Die absolute Monarchie
zieht privatwirtschaftliche Einkünfte vor, weil diese vom
Volke unabhängig machen. In dem Momente, als die privatwirtschaftlichen
Einnahmen und die Regalien nicht mehr genügen und
mehr und mehr die Einhebung von Steuern notwendig wird, entwickelt
sich die konstitutionelle Monarchie, wie dies typisch die
Geschichte Englands zeigt. Die demokratische Staatsform zeigt
eine gewisse Neigung zu den privatwirtschaftlichen Einnahmen,
indem sie für staatliche Unternehmungen und Verstaatlichung von
Unternehmungen, in ihrem sozialistischen Ausläufer sogar für gänzliche
Verstaatlichung einzelner oder aller Produktionsfaktoren ist.
Zur Beleuchtung dessen, welche Rolle den privatwirtschaftlichen
Einnahmen im modernen Staatshaushalte gebührt, mögen folgende
Daten dienen: Im Jahre 1913 entfiel in Preußen bei einer Bruttoeinnahme
von 3192,14 Millionen Mark auf
Domänen 34,65 Millionen Mark
Forsten 155,63 „ „
Bergwerke, Hütten, Salinen usw. 334,81 „ „
Staatseisenbahnen 2456,40 „ „
Sonstige Betriebe 210,48 „ „