Object: Russlands Bankerott

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bisher um das Russeutum und seine Berliner Bankfirma scharwenzelten, 
beginnt allmählich dasselbe Grundthema, wenn auch mit mancherlei Variationen, 
zu Pfeifen. Die Methode ist überall die gleiche: Auf der einen Seite darf 
man nichts Schlechtes über die Russen schreiben. Denn wenn wieder gute 
Zeiten kommen, will man die Protektion und die Prospekte der Firma 
Mendelssohn nicht entbehren. Andererseits erscheint, seitdem selbst die Spieß 
bürger von Amsterdam und Paris verkaufen, die Situation so brenzlig, daß 
man doch natürlich auch etwas wenigstens nach der anderen Seite Vorsorgen 
muß. Statt sich nun reuig an die Brust zu schlagen und beschämt den 
Lesern einzugestehen, daß man in der Beurteilung der russischen Verhältnisse 
etwas zu optimistisch gewesen ist, was ja an sich gar keine Schande wäre, 
sucht man jetzt die Rückgänge der russischen Werte und alle eventuellen 
Konsequenzen als Teufelswerk hinzustellen. Am schamlosesten macht das die 
Nationalzeitung (3. Dezember). Sie sucht alle möglichen Gründe hervor 
und meint, daß ein großer Teil der augenblicklichen Verkäufe auf dem 
Russenmarkt als Gegenoperationen zu den Uebertreibungen und Auswüchsen 
auf dem Kassaindustriemarkt zu betrachten seien. Dann schwindelt sie der 
Welt wieder das schon tausendmal wiederlegte Märchen von den russischen 
Goldbeständen im Ausland vor und erhebt drohend den Finger: „Geht 
Rußland pleite, so sind die gemeinen Menschen schuld daran, die fortgesetzt 
das Publikum warnen." Wird denn jetzt die Nationalzeitung schon dafür 
bezahlt, daß sie dem russischen Finanzminister die Motivierung des Bankerotts 
vorarbeitet? Auch die Vossische Zeitung, die alle Widerlegungen ihrer 
von interessierter Seite eingeschmuggelten Russenartikel ihren Lesern unter 
schlägt, hält es für nötig, im sechsten Artikel (29. November) sich ebenfalls 
zu salvieren und behauptet, sie habe durch ihre rosafarbenen Artikel keineswegs 
dem Publikum das selbständige Denken ersparen, sondern lediglich die 
Möglichkeit bieten wollen, sich über die wichtigsten Punkte der russischen 
Finanzwirtschaft zu informieren. Wie gering die Möglichkeit war, ein wirk 
liches Bild von der russischen Finanzlage aus den Artikeln der Vossischen 
Zeitung zu gewinnen, habe ich jüngst ausführlich nachgewiesen. Diese 
Winkelzüge nützen denn auch der Vossischen Zeitung gar nichts. Sie hat in 
ganz unverantwortlicher Weise, nachdem sie früher durch Veröffentlichung 
fachmännischer Kritiken, — ich denke besonders an das Urteil Migulins über 
die Staatsbank — ihre Leser sachlich und unparteiisch informierte, gerade 
in kritischer Zeit die Aufgabe nicht erfüllt, die ein unabhängiges Organ zu 
erfüllen hat. Und die Vossin steht daher auch heute — obgleich Herr Rouvier 
aus derselben Lügenquelle, wie sie, gespeist ist, — in der ersten Reihe der 
blamierten mitteleuropäischen Preßorgane. 
Die (Vossische Leitung. 
(25. November 1905.) 
Man darf sich nicht wundern, daß von seiten der russischen Finanz 
verwaltung und ihrer Berliner Vertretung gerade jetzt alles aufgeboten wird, 
um die schlechte Meinung zu bekämpfen, die sich allmählich auch der weitesten 
Die National 
zeitung. 
Die Vossische 
Zeitung.
	        
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