Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

des  Steuersubjektes  ab,  deren  Folge  es  ist,  daß  dasselbe  Einkommen
bei  verschiedenen  Personen  eine  verschiedene  Steuerkraft,  eine  verschiedene ­
  Leistungsfähigkeit  bedeutet.
Im  Interesse  der  Besteuerung  nach  der  Leistungsfähigkeit
wurden  namentlich  folgende  Forderungen  aufgestellt:  1.  Die  Besteuerung ­
  der  höheren  Einkommen  resp.  Vermögen  nach  einem
progressiven  Steuerfuße;  2.  Steuerfreiheit  der  nur  zur  Fristung  des
Lebens  hinreichenden  kleinsten  Einkommen;  3.  die  differentiale
Besteuerung  der  Einkommen  aus  Arbeit  und  Vermögen;  4.  die
differente  Besteuerung  der  aus  Arbeit  stammenden  Einkommen,
je  nachdem  dieselben  gesichert  sind  oder  nicht.  Diese  vier  Postulate ­
  gehören  zu  den  wichtigsten  Problemen  der  Steuerpolitik.  Wir
werden  dieselben  selbständig  in  Untersuchung  ziehen.

IV.  Abschnitt.
Das  Prinzip  der  Steuerprogression.
1.  Bei  Gelegenheit  der  Verhandlung  des  Einkommensteuergesetzes ­
  in  Baselland  im  Jahre  1848  hörte  man,  als  ein  Antrag  auf
Einführung  des  progressiven  Steuerfußes  geschah,  den  Zwischenruf:
Das  ist  die  Bede  des  Anführers  einer  Bäuberbande.  John  Stuart
Mill  nannte  den  progressiven  Steuerfuß  den  abgestuften  Baub
(„gratuated  robbery“),  Eisenhardt  spricht  von  nackter  Beraubung,
Umpfenbach  von  selbstmörderischem  Kommunismus.  Sehr  häufig
wird  die  Einführung  des  progressiven  Steuerfußes  als  Sieg  des
Sozialismus  bezeichnet,  wo  derselbe  oft  gerade  demselben  eine
Schranke  setzen  kann,  fehlt  es  ja  nicht  an  Sozialisten,  die  Gegner
des  progressiven  Steuerfußes  waren,  wie  Proudhon,  dagegen  konservative ­
  Schriftsteller  (Schmitthenner,  Baumstark),  die  denselben  befürworteten. ­
  In  Neufchatel  hat  die  Volksabstimmung  gegen  den
progressiven  Steuerfuß  Stellung  genommen.  Solche  Steuerfüße
freilich,  welche  bald  das  Stammvermögen  angreifen  und  die  Wurzeln
vernichten  würden,  aus  denen  die  Volkswirtschaft  sich  ernährt,
Progressionen  bis  30,  50  Prozent  sind  freilich  unanwendbar.  Von
solchen  ruinösen  Progressionen  kann  natürlich  nicht  die  Bede  sein
und  wenn  vielleicht  auch  hie  und  da  exzessive  Steuerfüße  empfohlen
wurden,  so  kann  auch  hier  nicht  für  jede  Idee  die  Verantwortung
übernommen  werden.  Gegen  den  progressiven  Steuerfuß  haben
            
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