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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
einem geringeren Einkommen ein relativ kleineres Opfer. Die von
der Forderung der Gleichheit des Opfers ausgehenden Theorien
mußten mit der Zeit notwendigerweise zu dem Resultate kommen,
daß sie die Gestaltung der aus dem Einkommen verschiedener
Größe zu befriedigenden Bedürfnisse ins Auge faßten. So sagt
Meyer, daß jegliche Steuerzahlung die Unterdrückung gewisser Be
dürfnisse nötig macht, aber bei den kleinen Einkommen gehören
die derart unbefriedigten Bedürfnisse zu denen erster Ordnung, bei
den größeren Einkommen dagegen zu den weniger dringenden, die
Gleichheit der Opfer wird daher nur dann erreicht werden, wenn
in letzterem Falle der Abzug ein größerer ist. Pierson sagt in
gleichem Sinne, es muß danach getrachtet werden, daß bei Jeder
mann der durch die Steuer vereitelte Genuß in gleichem Verhält
nisse stehe zu den Gesamtgenüssen.
Aus diesen Reflexionen entspringt die Idee des progressiven
(„differential“) Steuerfußes, deren Forderung darin besteht, daß mit
der zunehmenden Größe der Steuerbasis auch der Steuerfuß pro
gressiv zunehme, die Steuerlast also nicht nur proportional, sondern
in progressiv steigendem Verhältnisse zunehme. Bei diesem System
wächst also mit dem Steuerfuß auch die Steuerlast in dem Maße,
als das Einkommen, die Steuerbasis wächst. Hier ist also das
Verhältnis zwischen Steuerbasis und Steuerschlüssel
ein veränderliches. Der progressive Steuerfuß ist eigent
lich eine Zusammenfassung verschiedener Steuerfüße; jede Ein
kommensgruppe hat ihren eigenen Steuerfuß und zwar ist der
Steuerfuß in jeder höheren Einkommensklasse ein höherer. Die
Steuerlast wächst also nicht einfach proportional, in dem Verhältnis
der Größe des Einkommens, sondern in stetig wachsendem Maße.
Der progressive Steuerfuß zeigt eine verschiedene Einrichtung.
Er kann proportioned progressiv und progressiv progressiv sein, resp.
der progressive Steuerfuß wächst stets in gleichem Verhältnisse,
sagen wir um 1 Prozent, oder er steigt in progressivem Maße, an
fangs mit 1, dann 2, 3 Prozent usw. Im allgemeinen Sinne genommen
ist natürlich auch der progressive Steuerfuß ein proportionaler
Steuerfuß. 1 ) Der progressive Steuerfuß kann so eingerichtet sein,
daß die Progression bei einem gewissen Punkte stille steht, der
Steuerfuß ist bis zu einer gewissen Höhe progressiv, dann hört die
') Die Ausdrücke proportionaler und progressiver Steuerfuß sind gewiß
nicht klar genug. Im Grunde ist ja auch beim proportionalen Steuerfuß die
Steuerleistung eine zunehmende, progressive, wie auch Seligmann bemerkt, daß
auch der progressive Steuerfuß proportional ist, jedoch in progressiver Proportion
fortschreitend.