Full text: Finanzwissenschaft

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4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
Augsburg. 1 ) Ebenso begegnen wir in älterer Zeit in Schweden 
Luxussteuern, welche um so höher waren, je geringer das Ein 
kommen war. Dies sollte also eigentlich eine Strafe sein, was ja 
nicht so ganz unbegründet war. 
3. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das System des propor 
tionalen Steuerfußes auf fester Basis ruht. Erstens steht es ganz 
nahe zu jener Auffassung, die sich durch die ganze Steuertheorie 
hindurch geltend macht, daß nämlich weder der Staat sein Ein 
kommen auf das Prinzip basieren kann, wonach er von Jenen 
Leistungen verlangt, die hinwieder seine Leistungen in Anspruch 
nehmen, noch der Einzelne seine Leistungen von diesem Gesichts 
punkte betrachten darf, denn der Staat ist für das Ganze, der 
Einzelne wieder hat für das Ganze so viel zu leisten als er vermag. 
Aber innerhalb der Grenze seiner Bedürfnisse mißt der Staat die 
Staatsbürger mit demselben Maße und wie er bei Erfüllung der 
Militärpflicht vom Reichen kein größeres Opfer verlangt als vom 
Armen, da bei Erfüllung einer physischen Pflicht, das Individuum 
bloß auf Grund der physischen Kraft gemessen werden darf, so 
muß bei den pekuniären Leistungen das Individuum im Verhält 
nisse seiner pekuniären Fähigkeit gemessen werden, so daß z. B. 
wer zehnmal reicher ist, zehnmal mehr zu leisten hat. Der pro 
portionale Steuerfuß hat ferner den Vorteil, daß er die Möglich 
keit divergierender Ansichten ausschließt, ebenso die differente 
Beurteilung der Einkommen. Es ist eine schwierigere, weil feinere 
Aufgabe, deren Lösung der progressive Steuerfuß voraussetzt, denn 
hier muß untersucht werden, ob in dem zehnmal größeren Ein 
kommen, mit Rücksicht, daß die Lebensbedürfnisse eine zu große 
Ausdehnung nicht zulassen, bloß der Luxus, jener Teil, welchen 
der Einzelne ohne Entbehrung zur Erfüllung der Staatszwecke 
überlassen kann, nicht zwanzigmal, fünfundzwanzigmal größer ist? 
Hieraus folgt auch jene Eigenschaft des proportionalen Steuerfußes, 
daß derselbe natürlich auf festerer Basis ruht, während die Fest 
setzung der einzelnen Stufen des progressiven Steuerfußes große 
Schwierigkeiten verursacht und von willkürlicher Beurteilung nicht 
ganz zu befreien ist. 
4. Die Frage des progressiven Steuerfußes hängt mit der all 
gemeinen Steuertheorie zusammen. Diejenigen Schriftsteller, die 
strenge an der Aquivalenztheorie festhalten, treten für den propor 
tionalen Steuerfuß ein: wie Hobbes, Turgot, Proudhon, Leroy- 
*) Hartung, Die Belastung des augsburgischen Großkapitals (Schmoller 
Jahrbuch 1895).
	        
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