Full text: Finanzwissenschaft

B. IV. Abschnitt. Das Prinzip der Steuerprogression. 
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Beaulieu und Andere. Doch gibt es auch solche, die wohl auf der 
Basis der Aquivalenztheorie stehen und doch, ja eben deshalb den 
progressiven Steuerfuß fordern, wie Sonnenfels, Bentham, Garnier 
usw. Diejenigen Schriftsteller, die die Theorie der Leistungsfähig 
keit verteidigen, fordern in der Regel den progressiven Steuerfuß, 
so Jean Baptiste Say, Held, Neumann, Schäffle, Wagner, Pierson, 
Graziani und Andere. John Stuart Mill ist wohl Anhänger der 
Opfertheorie, trotzdem nimmt er gegen den progressiven Steuerfuß 
Stellung, den er nur bei der Erbschaftssteuer wünscht anzuwenden. 
Wagner verteidigt den progressiven Steuerfuß namentlich mit 
sozialpolitischen Argumenten. 
Die Theoretiker machen sich von dem progressiven Steuerfuß 
eine verschiedene Vorstellung. So wäre derselbe ein nach oben 
degressiv zunehmender progressiver Steuerfuß, welcher auf den 
höchsten Stufen sich in einen proportionalen Steuerfuß verwandeln 
würde. Seligmann, der überhaupt ein skeptischer Anhänger des 
progressiven Steuerfußes ist, nennt gegenüber dem progressiven 
Steuerfuß degressiv den proportionalen Steuerfuß, der sich auf die 
Steuerfreiheit des Existenzminimums stützt. Garnier befürwortet 
bloß einen mäßig durchgeführten progressiven Steuerfuß, darum 
nennt er'diesen Steuerfuß nicht progressiv, sondern „progressional“. 
Die heftigsten Gegner des progressiven Steuerfußes finden wir 
bei den Franzosen, was wohl zum Teil dem Umstande zuzuschreiben 
ist, daß die während der Revolution mit dem progressiven Steuer 
fuß gemachten unglückseligen Experimente bis zum heutigen Tage 
nicht in Vergessenheit gerieten. Die heftigsten Angriffe gegen den 
progressiven Steuerfuß richteten Leroy-Beaulieu und Leon Say, 
obwohl sie einen mäßigen progressiven Satz nicht perhorreszierten, 
doch hat ein solcher nach ihrer Ansicht nach keiner Richtung hin 
Bedeutung und doch besteht beständig die Gefahr, daß höhere 
Progressionen gefordert werden. Bei den Italienern kämpft nament 
lich Martello gegen den progressiven Steuerfuß, welcher nach ihm 
theoretisch absurd, praktisch unmöglich ist; wenn er hoch ist, so 
ist er von verheerender Wirkung, wenn er mäßig ist, so ist er 
wirkungslos; doch muß er hoch sein, da er nur wenige Individuen 
trifft, die Massen verschont, während gerade der Vorteil des pro 
portionalen Steuerfußes darin liegt, daß er um so mehr einträgt, 
je mäßiger er ist. Denis ist der Stellvertreter eines vermittelnden 
Standpunktes. Er hebt hervor, daß die Frage des proportionalen 
oder progressiven Steuerfußes eigentlich ein Glied des Gegensatzes 
von Individualismus und Sozialismus, von Egoismus und Altruismus 
ist. Keines dieser Prinzipien kann restlos verwirklicht werden,
	        
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