Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

ein  anderes  Mal  nicht.  Auch  Vocke  erklärt,  daß  die  Frage  der
Überwälzung  eigentlich  nicht  in  die  Finanzwissenschaft  gehöre.
Mayer  (Prinzipien  der  gerechten  Besteuerung)  schildert  die  Überwälzung ­
  folgendermaßen.  Wenn  unter  Steuerüberwälzung  verstanden
wird,  daß  die  Steuer  in  einem  weiteren  Kreise  ihre  Wirkungen
fühlbar  macht,  als  in  der  Wirtschaft  der  unmittelbar  Steuernden,
dann  muß  gesagt  werden,  daß  jede  Steuer  überwälzt  wird.  Wenn
unter  Steuerüberwälzung  verstanden  wird,  daß  die  Steuerzahler  die
Wirkung  der  Steuer  von  sich  abstoßen,  dann  muß  gesagt  werden,
daß  es  keine  überwälzbare,  wenigstens  nicht  vollständig  überwälzbare  '
Steuer  gebe.  Auch  Koscher  sagt,  daß  die  Wirkung  der  Steuer
auf  die  Preise  nicht  voraus  zu  bestimmen  ist;  nur  so  viel  kann  mit
Bestimmtheit  behauptet  werden,  daß  die  Wirkung  der  meisten
Steuern  über  den  Kreis  der  Steuerzahler  hinaus  reicht;  ansonst
kann  nur  von  Überwälzungskämpfen  die  Rede  sein,  deren  Gelingen
in  manchen  Fällen  konstatierbar  ist,  alles  andere  ist  Hypothese.
Auch  Schäffle  kennt  nur  Überwälzungskämpfe,  welche  in  einzelnen
Fällen  zum  Siege  führen,  aber  die  Voraussetzungen  dieses  Sieges
sind  bei  der  großen  Kompliziertheit  des  Verkehrs  gänzlich  unbekannt.
Diese  Auffassung  unterscheidet  sich  also  wesentlich  von  jener,  welche
nicht  nur  behauptet,  daß  jede  Steuer  vom  Produzenten  auf  den
Konsumenten  überwälzt  wird,  was  namentlich  mit  der  Theorie
Ricardo's  zusammenhängt  und  auch  die  Auffassung  Stein’s  charakterisiert, ­
  sondern  hieraus  auch  jene  Konsequenz  ableitet,  daß  aus
diesem  Grunde  jede  alte  Steuer  gut  ist,  weil  hier  die  Überwälzungsprozesse ­
  schon  zur  Ruhe  gekommen  sind  —  der  sogenannte  Canardismus
  —  die  Steuer  also  auf  jede  Schultern  abgewälzt  ist,  die
dieselbe  zu  tragen  am  geeignetsten  sind;  jede  neue  Steuer  hinwieder
ist  schlecht,  weil  sie  neue  Überwälzungskämpfe  hervorruft.  Jener
bequeme  Standpunkt  der  Steuerpolitik,  daß,  wie  schlecht  auch  eine
Steuer  sei,  die  Überwälzung  dies  korrigieren  wird,  ist  nicht  nur
der  größte  Optimismus,  sondern  auch  die  leichtsinnigste  Staatsweisheit. ­

3.  Die  Überwälzung  der  Steuer  zeigt  große  Verschiedenheit  je
nach  der  Art  der  Fälle.  Es  gibt  wirtschaftliche  Gruppen,  die  die
Steuer  nicht  überwälzen  können,  nachdem  ihr  Einkommen  im  ganzen
oder  für  eine  Zeitlang  fixiert  ist.  Diejenigen,  die  von  fixen  Bezügen ­
  leben,  können  die  Steuer  nicht  überwälzen,  ebensowenig  jene,
deren  Einkommen  vertragsmäßig  festgesetzt  ist  für  eine  jqahx-jninder,^.
lange  Zeit,  Einkommen  aus  der  Verpachtung  der  Güter,  Vermietung  1
von  Häusern,  Kapitalsdarlehen.  Nicht  überwälzbar  ist  die  Steuer
bei  gesetzlich  festgelegten  Preisen,  Taxen,  Tarifen,  insolange  diese
            
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