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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
Großen Einfluß übt Zu- und Abneigung des Volkes. So sind
in Ungarn die indirekten Steuern nicht populär gewesen, schon
aus dem Grunde, weil sie zur Zeit des österreichischen Absolutismus
dem Lande aufgezwungen wurden. Von Bedeutung sind die politische
Lage, ferner die Lage der Volkswirtschaft, so werden sie bei
sinkenden Preisen, großer Billigkeit leichter zu ertragen sein, als
in teuern Zeiten. Ein größerer Baum kann immerhin solchen
indirekten Steuern eingeräumt werden, die schonend sind.
Die Erfahrung der den indirekten Steuern abgeneigten fran
zösischen Revolution sprechen auch dafür, daß die indirekten Steuern
nicht gänzlich zu entbehren sind, wenigstens in einem größeren
Staate. Überzeugte Anhänger der indirekten Steuern waren Hume,
Steuart unter den älteren Ökonomisten. Eine der ersten Maßregeln
Napoleons war die Wiedereinführung der indirekten Steuern.
Gladstone verglich die beiden Steuerarten mit zwei Schwestern, die
beide schön sind, deren eine aber blond, die andere brünett ist.
Auch Bismarck war ein begeisterter Anhänger der indirekten
Steuern 1 ). In seiner auf diesen Gegenstand bezüglichen Denk
schrift heißt es sogar, daß die direkten Steuern nur einen theoretischen
Wert besitzen. Josef LL dagegen war gegen indirekte Steuern.
„Je n’amie pas l’indirecit, parce que je ne suis ni foible, ni fourbe“.
Der ungarische Staatsmann Szöchenyi sagt: „Die indirekte Steuer
halten manche Ökonomisten für die am leichtesten zu ertragende
Last, doch ist dies noch nicht entschieden.“ Die Theoretiker
teilen sich in zwei Lager. Einen großen Gegensatz repräsentieren
Schäffle und Wagner; jener betrachtet die indirekten Steuern als
unvermeidliche Bestandteile des Steuersystems, dieser betrachtet sie
mehr als notwendiges Übel, welches übrigens nicht immer größer ist,
als das der direkten Steuern, die gleichfalls ihre Fehler haben.
Nach Stourm bieten namentlich in aufgeregten Zeiten die direkten
Steuern eine sichere Basis, darum sind sie möglichst ausgiebig
zu gestalten, doch so, daß sie in Friedenszeiten nur mäßig in An
spruch genommen werden. Er konstatiert, daß in den meisten
Staaten die indirekten Steuern durchschnittlich 12 Frank pro Kopf
betragen, woraus er folgert, daß sie beiläufig in diesem Verhältnis
zu entwickeln wären. Nach Schäffle kann auf jede der Steuerarten
die Hälfte entfallen, doch muß anerkannt werden, daß hier ver
schiedene Umstände in Betracht kommen 2 ). Natürlich kann auch
. . 1 ) „Sie wissen von mir, daß ich ein Gegner der direkten, ein Freund der
.indirekten Steuer bin“ (Deutscher Reichstag, Sitzung vom 22 Febr. 1878).
. 2 ) Interessant ist, daß seinerzeit um die Gefahr der Inanspruchnahme der
indirekten Steuern abzuwehren, in das deutsche Flottengesetz folgende Be-