Full text : Finanzwissenschaft

D.  V.  Abschnitt.  Einkommensteuer.

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Steuerkräften  große  Disparitäten  aufweisen  können;  f)  infolge  jener
Eigenschaft,  daß  die  Einkommensteuer  sich  enge  an  das  Einkommen
hält  besitzt  dieselbe  große  Elastizität  und  wird  nicht  so  drückend
empfunden,  wie  in  gewissen  Fällen  die  steifen,  immobilen  Ertragssteuern; ­
  g)  sie  hat  den  Vorteil,  mit  dem  Steigen  oder  Fallen  des
Nationaleinkommens  automatisch  zu  steigen  oder  zu  fallen;  h)  die
Einkommensteuer  fällt  namentlich  auf  die  großen  und  mittleren
Einkommen  und  bildet  demgemäß  ein  Gegengewicht  gegen  die  Verzehrungssteuern, ­
  welche  mehr  die  unteren  Klassen  drücken;  i)  als
Ergänzungssteuer  mildert  sie  in  ausgleichender  Weise  die  durch  die
anderen  Steuern  verursachten  Ungleichheiten;  k)  sie  bildet  eine
Reservesteuer  in  Zeiten  schwerer  Bedrängnis  und  großer  Bedürfnisse,
in  welchen  Zeiten  der  Staat  mittels  derselben  ohne  große  Unzukömmlichkeiten ­
  außerordentliche  Bedürfnisse  zu  befriedigen  vermag,
wie  dies  in  England  seit  lange  und  zuletzt  wieder  im  Weltkriege
geschah.
3.  Der  größte  Einwurf,  der  gegen  die  Einkommensteuer  erhoben
wird,  besteht  darin,  daß  dieselbe  ohne  empfindliche  Einmischung
in  die  privaten  Verhältnisse  der  Individuen  kaum  durchzuführen,,
beziehungsweise  zu  sichern  ist.  Die  Steuersubjekte  sind  genötigt,
Einblick  in  ihre  diskretesten  Verhältnisse  zu  bieten  und  sind  stets
der  Versuchung  ausgesetzt,  falsche  Fassionen  zu  geben.  Die  verschiedene ­
  Gewissenhaftigkeit  der  Steuerbekenntnisse  führt  zu
großen  Ungleichheiten;  während  z.  B.  die  Größe  der  fixen  Bezüge
und  Gehälter  bis  auf  den  Heller  bekannt  ist,  sind  dagegen  andere
Einkommen  nur  schwer  zu  eruieren.  Die  hieraus  sich  ergebende
ungleiche  Verteilung  der  Steuerlast  kann  in  der  Tat  zur  Folge
haben,  was  als  eine  Gefahr  der  Einkommensteuer  hingestellt  wird,
daß  sie  zur  Steuer  der  Naiven  und  Ehrlichen  wird,  den  Schlauen,
und  Unehrlichen  dagegen  eine  Prämie  geboten  wird.  Die  Einkommensteuer ­
  würde  demnach  demoralisierend  wirken.  Es  läßt
sich  nicht  leugnen,  daß  diese  Gefahren  bestehen,  woraus  folgt,  daß
die  Einkommensteuer  bloß  bei  bereits  erstarktem  staatlichen  Selbstbewußtsein, ­
  größerer  Wohlhabenheit,  verhältnismäßig  milder  Besteuerung ­
  und  präzis  wirkender  Steuerverwaltung  durchführbar  ist..
Auch  unter  solchen  Verhältnissen  werden  sich  im  Anfang  die  bezeichneten ­
  Übel  einstellen,  mit  der  Zeit  aber  werden  sie,  wie  die
Erfahrung  zeigt,  sich  auf  ein  rationelles  Minimum  reduzieren.
4.  Auch  der  Einwendung  begegnen  wir,  daß  die  Einkommensteuer ­
  nur  geringes  finanzielles  Ergebnis  bietet.  Da  nämlich  bei
der  Einkommensteuer  die  kleinsten  Einkommen  steuerfrei  bleiben
sollen,  diese  aber  den  größten  Teil  des  Nationaleinkommens  bilden,.
            
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