Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Vorrede. 
Die Schrift, deren ersten Band ich hier veröffentliche, stellt 
sich das Ziel, die geschichtliche Entstehung des Grundproblems 
der neueren Philosophie zu beleuchten und durchsichtig zu machen. 
Alle gedanklichen Bestrebungen der neueren Zeit fassen sich zu- 
letzt zu einer gemeinsamen höchsten Aufgabe zusammen: es ist 
ein neuer Begriff der Erkenntnis, der in ihnen in stetigem 
Fortgange erarbeitet wird. So einseitig es wäre, den Ertrag der 
modernen philosophischen Arbeit lediglich im logischen Gebiete 
aufsuchen zu wollen: so deutlich lässt sich doch erkennen, dass 
die verschiedenen geistigen Kulturmächte, die zu dem endgiltigen 
Ergebnis zusammenwirken, erst kraft des theoretischen Selbst- 
bewusstseins, das sie erringen, ihre volle Wirkung entfalten 
können und dass sie damit mittelbar zugleich die allgemeine 
Aufgabe und das Ideal des Wissens fortschreitend umgestalten. 
Jede Epoche besitzt ein Grundsystem letzter allgemeiner Be- 
griffe und Voraussetzungen, kraft deren sie die Mannigfaltigkeit 
des Stoffes, den ihr Erfahrung und Beobachtung bieten, meistert 
und zur Einheit zusammenfügt. Der naiven Auffassung aber und 
selbst der wissenschaftlichen Betrachtung, soweit sie nicht durch 
kritische Selbstbesinnung geleitet ist, erscheinen diese Erzeugnisse 
des Geistes selbst als starre und ein für alle Mal fertige Gebilde. 
Die Instrumente des Denkens werden zu bestehenden Objekten 
umgewandelt; die freien Setzungen des Verstandes werden in der 
Art von Dingen angeschaut, die uns umgeben und die wir passiv 
hinzunehmen haben. So wird die Kraft und Unabhängigkeit des 
Geistes, die sich in der Formung des unmittelbaren Wahrnehmungs- 
inhalts bekundet. von neuem durch ein System fester Begriffe be- 
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