Full text: Finanzwissenschaft

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1. Buch. Einleitende Lehren. 
der Geschichte, Literatur und Gesetzgebung, und logische Schärfe 
der Wissenschaft zugute gekommen. 
Stein und Wagner repräsentieren den Höhepunkt der Finanz 
wissenschaft des XIX. Jahrhunderts. Wenn wir Vorzüge und 
Mängel beider vergleichen wollten, so würden wir sehen, daß Steins 
Vorzüge und Mängel darin bestehen, daß er mehr Geschichtsphilo 
soph, Politiker, Verwaltungstheoretiker und Gesellschaftsforscher 
war, Wagner überwiegend Nationalökonom ist, Stein mehr deduktiv, 
Wagner mehr induktiv denkt, Stein manchmal der Systematik, 
Wagner den Zielpunkten zu viel ßaum einräumt, Stein mehr im 
Generellen, Wagner mehr im Speziellen exzelliert. 
Aufmerksamkeit verdient auch jene Richtung, welche die Fi 
nanzwissenschaft mit der Soziologie in engere Verbindung bringt 
(so Hector Denis: L’impöt, neuerdings Goldscheid), die Finanzwissen 
schaft in die soziologischen Wissenschaften einreiht und die finan 
ziellen Gestaltungen aus den Verhältnissen des gesellschaftlichen 
Lebens, aus den in demselben wirkenden Kräften und Gesetzen ab 
leitet. Auch Schäffles Arbeiten berühren sich mit dieser Richtung. 
Gewisse Selbständigkeit müssen wir auch jener Richtung zuer 
kennen, die das Steuerwesen in seiner Beziehung zur Ethik auffaßt 
und dadurch eine ethische Vertiefung des Steuerwesens anbahnt. 
Diese Richtung vertritt namentlich Vocke, der übrigens sein Werk 
auf breiter soziologischer Basis aufbaut und die Staatseinkünfte zu 
der historischen Gestaltung von Staat und Gesellschaft in Bezie 
hung setzt. 
Endlich trachtet auch die Grenznutzentheorie auf die Erklärung 
der finanziellen Phänomene Einfluß zu gewinnen. Sie hat auch 
unstreitig zur Vertiefung einzelner Begriffe und Klarstellung ge 
wisser Einrichtungen beigetragen. Namentlich Sax hat sich auf 
diesem Gebiete betätigt. Der enge Zusammenhang der National 
ökonomie mit der Finanzwissenschaft kommt namentlich in den 
Untersuchungen dieser Schule zur Klarheit, sofern sie auch die 
Staatstätigkeit unter den Begriff der Wertproduktion subsumiert. 
Zu den hervorragenden Leistungen der Finanzwissenschaft muß 
auch das Werk des Franzosen Leroy-Beaulieu gerechnet werden. 
Seinem Umfang nach reiht sich das Werk den großen Arbeiten 
von Stein, Wagner, Schäffle an. Es hat neben Glanzseiten auch 
Schattenseiten. Vorzüge sind der klare, elegante Stil, die eingehen 
den Details, Nachteile der einseitige, veraltete theoretische Stand 
punkt und die fast konsequente Vermeidung jeder theoretischen 
Untersuchung, was sich charakteristisch in der Bemerkung einer
	        
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