Full text: Finanzwissenschaft

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4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
fassenden Urteil: „So mächtigen Beiz die Idee, den gordischen 
Knoten der Finanznot mittels einer Kollossalabgabe zu zerhauen, 
auch ausübt — dieser „schon öfters vorgeschlagene“, bisher niemals 
durchgeführte Plan ist auch diesmal wieder zu begraben. Schon 
fragwürdig vom Standpunkte volkswirtschaftlicher Zweckmäßigkeit 
— da sie, selbst wenn im Zeichen normaler Konjunktur vollzogen, 
eine Wirtschaftsstörung großen Stils zur Folge hätte — stellt sich 
die Entschuldungsaktion vom Standpunkt steuerlicher Gerechtigkeit 
als unbedingt verwerflich dar.“ 
Von den Schriftstellern, die für die einmalige Vermögenssteuer 
eintreten, ist an erster Stelle Ricardo zu nennen. Er lehnt es ab, 
die Kriegskosten durch Anlehen zu decken, deren jährlicher Zinsen 
dienst die Produktion sehr belasten und im Nachteil zur ausländischen 
Produktion bringen würde, und empfiehlt die einmalige Vermögens 
steuer. Dieser Standpunkt fließt schon aus der Erfahrung und An 
sicht Ricardo's, daß die englische Institution des Tilgungsfonds ganz 
ungeeignet ist, die Minderung und Abbürdung der Staatsschuld 
herbeizuführen. Ricardo tritt für die einmalige Vermögenssteuer 
auch mit der Begründung ein, daß die schwere Last der Vermögens 
steuer der baldigen Wiederkehr der Kriegszeiten einen kräftigen 
Riegel vorschieben würde. Dann darf nicht vergessen werden, daß 
dieser Verschlag eng mit dem freihändlerischen Standpunkt Ricardo’s x ) 
zusammenhängt, als er namentlich die die Handelsfreiheit hemmen 
den Zölle beseitigt sehen wollte, was aber nur dann möglich ist, 
wenn eine einmalige Vermögensabgabe es möglich macht, die zur 
Deckung der Kriegskosten eingeführten indirekten Steuern und Zölle 
abzubauen. Eigentümlicherweise kommt Ricardo mit sich selbst in 
Widerspruch; denn im VIII. Kapitel seines Werkes, wo er im allge 
meinen von den Steuern spricht, erklärt er sich gegen jede Be 
steuerung des Vermögens, des Kapitals, da hierdurch von Jahr zu 
Jahr jener Stock vermindert wird, welcher der Produktion und 
Konsumtion dient. Ja er weist sogar darauf hin, daß der Wunsch 
jedes Individuums, seine materielle Lage zu behaupten, zu dem 
Streben führt, jede Steuer, mag sie auch auf das Vermögen gelegt 
sein, zu einer Einkommensteuer zu gestalten. „Es müßte die Politik 
jeder Regierung sein, dieses Bestreben der Bevölkerung zu befördern 
und niemals solche Steuern einzuführen, die unvermeidlich auf das 
Vermögen’(Kapital) fallen.“ Bei der Beurteilung des Ricardo’schen 
Standpunktes ist jedenfalls in Betracht zu ziehen, daß die Belastung 
*) „Our commerce would be extended without being subject to all the 
vexatious delays and interruptions which our present artificial system imposes 
upon it“ (Works, 8. 546).
	        
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