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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
soll dies in der Weise geschehen, daß das den notwendigen Lebens
bedarf übersteigende Einkommen eine höhere Steuer zu zahlen hatte.
Ähnliche Zwecke verfolgt die Verbrauchseinkommensteuer (Mombert),
Aufwandsteuer (Elster), welche durch die progressive Besteuerung
der weniger kinderreichen Familien auch bevölkerungspolitische
Zwecke verfolgen. Diesem Gedankengange nähert sich der Vor
schlag der zur Ermittelung von Luxussteuern ausgesendeten parla
mentarischen Kommission in England (1918), die den einen gewissen
Betrag übersteigenden Aufwand für die täglichen Mahlzeiten einer
Steuer unterwerfen will.
VII. Abschnitt.
Sonstige Verzehrungssteuern.
Aus der Reihe der Verzehrungssteuern sollen noch folgende
hervorgehoben werden:
1. Die Spielkartensteuer gehört in die Reihe der Luxus
steuern. Steuerobjekt ist die Spielkarte, die Besteuerungsform ist
der Stempel. Die Spielkartensteuer besteht in England, Frankreich,
Deutschland, Österreich, Ungarn usw. Der Steuersatz darf nicht
zu hoch sein, und zwar aus dem Grunde, weil die Karte auch der
berechtigten Zerstreuung dient; aber auch steuertechnische Motive
sprechen für die Mäßigkeit des Steuersatzes, da die Steuer leicht
zu umgehen ist. Die Spielkartensteuer ergab in Preußen im Jahre
1912 ein Erträgnis von 1,3 Millionen Mark.
2. Die Zündholzsteuer bildet gleichfalls in mehreren
Staaten Gegenstand der Besteuerung, obwohl dieselbe wenig zu
rechtfertigen ist. Die gewöhnlich angeführten polizeilichen Motive
sind ziemlich hinfällig. Der Steuerertrag ist ein mäßiger. Trotz
dem wird die Konsumtion sehr belastet und in der Regel leidet
auch die Qualität der Ware. Daß die Feuergefahr abgenommen
hätte, läßt sich kaum behaupten. Mehrere Staaten haben die Zünd
hölzchensteuer in der Form des Monopols verwirklicht, so Frank
reich, wo das Monopol eine Zeitlang verpachtet war. Nicht ohne
Humor ist es, daß der Finanzminister zu verschiedenen Malen wegen
der schlechten Qualität zur Verantwortung gezogen wurde. Das
Monopol wurde noch eingeführt in Griechenland (später wieder ab
geschafft), Rumänien, Spanien, in anderen Staaten wurde es wieder
holt angeregt. Die Zündhölzchensteuer existiert außerdem noch in