Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

Luxus  namentlich  in  den  unteren  Schichten  der  Landbevölkerung,
der  Arbeiter  und  der  Kriegsgewinnler.  Trotz  der  Abwesenheit  von
Millionen  von  arbeitenden  Händen  ist  in  Ungarn  z.  B.  eine  größere
Grundfläche  bestellt  als  vorher,  nur  die  ersten  Jahre  des  Krieges
machten  hier  eine  Ausnahme.  Aus  allen  diesen  Momenten  können
wir  den  Schluß  ziehen,  daß  auch  der  Weltkrieg  die  Steuerfähigkeit
nicht  gemindert  hat,  wie  dies  übrigens  aus  den  weiter  unten  mitzuteilenden ­
  Daten  sich  in  exakter  Weise  konstatieren  läßt.  Gewiß
ist  diese  Erscheinung  dem  Umstande  zuzuschreiben,  daß  die  Staaten
im  allgemeinen  vor  dem  Kriege  die  Steuerfähigkeit  nur  in  mäßiger
Weise  in  Anspruch  nahmen,  was  von  verschiedener  Seite  (Wolf  usw.)
für  Deutschland  nachgewiesen  wurde,  ferner  daß  es  sich  im  Kriege
doch  nur  um  eine  außerordentliche,  vorübergehende  Anspannung
handelt,  der  hoffentlich  dann  eine  Zeit  der  Erholung  folgen  wird.
Wenn  von  mancher  Seite  mit  Zufriedenheit  darauf  hingewiesen  ist.
daß  diese  Leistungsfähigkeit  mit  den  kolossalen  Verschiebungen  im
Einkommen  und  Vermögen  resp.  den  entstandenen  großen  Einkommen ­
  und  Vermögen  zusammenhängen,  so  möchten  wir  diesem
Umstande  kein  zu  großes  Gewicht  beilegen  oder  doch  —  die  Richtigkeit ­
  der  Beobachtung  vorausgesetzt  —  dies  keinen  Ersatz  bietet  für
das  Hinsiechen  ganzer  Schichten  der  Bevölkerung,  deren  Steuerfähigkeit ­
  an  der  Wurzel  angegriffen,  ja,  sagen  wir  es  gerade  heraus,
vernichtet  wurde.
In  der  ersten  Zeit  des  Weltkrieges  ist  natürlich  infolge  der
durch  den  Krieg  verursachten  Störungen  im  wirtschaftlichen  Leben
überall  eine  Abnahme  mancher  staatlicher  Einnahmen  zu  konstatieren
gewesen.  So  teilt  Jeze  ^  für  Frankreich  folgende  Daten  mit:  Bei
den  direkten  Steuern  zeigt  sich  für  das  Jahr  1914  im  Verhältnis
zur  Vorschreibung  eine  Abnahme  von  108,6  Mill.  Franks,  im  Verhältnis ­
  zum  Jahre  1913  von  139,0  Mill.  Franks.  Bei  den  indirekten
Steuern  zeigt  sich  im  Verhältnis  zum  Jahre  1913  eine  Abnahme
von  657,9  Mill.  Franks,  was  16  Prozent  gleichkommt.  Insgesamt
ergibt  sich  gegen  1913  eine  Abnahme  von  797,0  Mill.  Franks.  Noch
deutlicher  zeigt  sich  der  Einfluß  des  Krieges,  wenn  wir  nicht  das
ganze  Jahr,  sondern  bloß  die  Kriegsmonate  mit  denselben  Monaten
des  Vorjahres  vergleichen.  So  zeigt  sich  bei  Gebühren,  Stempel
und  Domänen  (außer  Forsten)  eine  Abnahme
im  August  von  55  Prozent
„  September  von  62  „
„  Oktober  von  37  „

*)  Finance  de  gnerre  de  la  France,  8.  39.
            
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