Full text : Finanzwissenschaft

III.  Abschnitt.  Die  Geschichte  des  Staatskredites.

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III.  Abschnitt.
Die  Geschichte  des  Staatskredites.
1.  Der  Staatskredit  keines  Staates  zeigt  einen  so  engen  Zusammenhang ­
  mit  den  allgemeinen  volkswirtschaftlichen  Verhältnissen ­
  und  namentlich  mit  den  allgemeinen  Kreditverhältnissen ­
  als  der  englische  Staatskredit.  Die  neuere  Periode  des
Staatskredites  beginnt  eigentlich  mit  der  Gründung  der  englischen
Bank,  welche  dem  Staate  1200  000  Pfund  Sterling  zur  Führung
des  Krieges  gegen  die  Niederlande  vorstreckt  und  hiergegen  das
Privilegium  erhält.  Das  geschah  im  Jahre  1694.  Schon  im  Jahre
1697,  zur  Zeit  des  Kyswicker  Friedens  erhöht  sich  die  Staatsschuld
auf  21,5,  zur  Zeit  des  Abschlusses  des  Utrechter  Friedens  auf
53,6  Millionen  Pfund.  In  dieser  Periode  des  Staatskredites  geht
eine  wichtige  Wandlung  vor  sich;  die  bisher  angewendeten  Formen
werden  in  den  Hintergrund  gedrängt  und  die  fundierte  Staatsschuld
tritt  in  den  Vordergrund.  Die  Staatsschulden  werden  in  einem
Fond  vereinigt,  dem  andererseits  wieder  gewisse  Einnahmen  zugewiesen ­
  werden  zur  Verzinsung  der  Staatsschuld.  Schon  in  dieser
Zeit  begegnen  wir  Konversionen  und  Zinsenreduktionen;  im  Jahre
1717  wird  der  Zinsfuß  von  6  Prozent  auf  5  Prozent  herabgesetzt,
nachdem  vorher  der  gesetzliche  Zinsfuß  von  6  Prozent  auf  5  Prozent
reduziert  wurde.  Wie  günstig  die  von  Walpole  befolgte  nüchterne
Finanzpolitik  war,  das  zeigt  der  Umstand,  daß  das  im  Jahre  1727
emittierte  3  prozentige  Anlehen  im  Jahre  1737  zum  Kurse  von
107  notiert  war.  Im  Jahre  1766  erhöht  sich  die  Staatsschuld,
namentlich  unter  Einwirkung  des  siebenjährigen  Krieges,  auf  129,5
Millionen  Pfund.  Fast  auf  das  Doppelte  steigt  die  Staatsschuld
infolge  des  Unabhängigkeitskrieges  der  Nordamerikanischen  Kolonien:
sie  beträgt  im  Jahre  1783  238  Millionen  Pfund.  Den  bedeutendsten
Einfluß  nahmen  jedoch  die  Kämpfe  um  die  Wende  des  XVIII.  und
XIX.  Jahrhunderts,  namentlich  die  gegen  die  Revolution  und  gegen
Napoleon  I.  Das  kolossale  Anwachsen  der  Staatsschuld  war  gewissermaßen ­
  der  Preis,  den  England  bezahlte,  damit  die  Vorrechte
der  privilegierten,  herrschenden  Klassen  nicht  demselben  Schicksale
verfielen,  wie  in  Frankreich  infolge  der  Revolution.  Darum  hat
England  gegen  die  Revolution  und  gegen  Napoleon  gekämpft  und
mit  der  Staatsschuld  erwarb  es  die  Siege  der  Heere  der  mit  ihm
alliierten  Staaten.  Im  Jahre  1816  steigt  die  konsolidierte  Staatsschuld ­
  auf  816  Millionen  Pfund.  Das  Jahr  1797  bezeichnet  eine
der  ungünstigsten  Perioden  des  englischen  Staatskredits,  die  3  pro-
            
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