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6. Buch. Der Staatskredit.
zentige steht auf 47! Hrst der Weltkrieg schlug wieder empfindliche
Wunden dem englischen Staatskredit. Die Aufnahme innerer
Anleihen zeigt keinen günstigen Erfolg; England muß in Amerika
gegen amerikanische Schuldtitres Anlehen aufnehmen, Gold exportieren,
der Dollar tritt als feste Währung an die Stelle der unerschütterlich
geglaubten Sovereign und der englische Wechsel
zeigt ein Disagio, das zeitweilig um 8 Prozent schwankt.
Das kolossale Steigen der englischen Staatsschuld vor dem
Weltkriege bringt Bastable namentlich mit folgenden Umständen
in Verbindung: a) Furcht vor zu drückender Besteuerung; b) falscher
Glaube an die Wundertätigkeit des Tilgungsfonds; c) das unrichtige
Verfahren der Schuldaufnahme, wonach ein größeres Kapital versprochen
wurde, als angezahlt wurde. Lange Zeit hindurch zeigt
die englische Staatsschuld kein Steigen und durch Konversionen
werden öfters Erleichterungen geboten. Die umfassendste Maßregel
in letzterer Beziehung war die von Göschen durchgeführte Konversion
(1888), welche die Zinsen einer Schuld von 558 Millionen
Pfund auf 2 3 / 4 Prozent reduzierte, in weiteren 20 Jahren auf
2 1 / 2 Prozent. Diese Konversion hatte aber auch ihre Nachteile,
wovon wir an anderer Stelle sprechen.
Wie wir sehen, so ist der größte Teil der englischen Staatsschuld
auf die Kosten der von England geführten Kriege zurückzuführen,
die freilich größtenteils der englischen Kolonial- und
Handelsweltmacht dienten. Doch kommen auch produktive 'V erwendungen
vor. Eine solche war der Erwerb der Suezkanalaktien
(1875). England bezahlte für die im Besitz des Khedive befindlichen
176 602 Stück Aktien 3976 600 Pfund Sterling, außerdem den
Hause Rothschild, das die Transaktion durchführte, für die Frist
von 1 bis 2 Monaten, bis das Parlament die Transaktion guthieß,
99000 Pfund. Der Wert der Aktien stieg später auf über 26 Millionen.
Hier wurde eine höchst produktive Investition durchgeführt,
abgesehen von dem großen politischen V orteil, den der Besitz dei
Aktien bot.
2. Der französische Staatskredit macht am Ende des XVIII.
Jahrhunderts unter der Revolution schwere Katastrophen durch,
welche ganz und gar den Charakter des Staatsbankrottes besaßen.
Dies hatte zur Folge, daß Frankreich gewissermaßen erleichtert ins
XIX. Jahrhundert eintritt, ohne daß die Staatsschuld den Staatshaushalt
wesentlich bedrückte. Der Fall des Napoleonischen Regimes
spiegelt sich im Staatsschuldenwesen wider, aber Strenge
und Ehrlichkeit tüchtiger Finanzminister bewahrt den Staat vordem
Übel eines übertriebenen und ungeordneten Staatskredites.