Object: Theoretische Sozialökonomie

$ 25. Das Angebot von Kapitaldisposition. 213 
des Preisbildungsproblems angenommen. Da wir in diesem Buche bei 
der Untersuchung der Preisbildung der Produktionsfaktoren diese Vor- 
aussetzung fallen lassen, und auch die Einwirkung der Preise dieser 
Produktionsfaktoren auf das Angebot derselben mit ins Bereich unserer 
Untersuchungen ziehen wollen, werden wir hier zunächst vor die Frage 
gestellt, welche Bedeutung der Zinsfuß für das Angebot von Kapital- 
disposition hat. Wir werden also im folgenden nicht nur die selbstän- 
digen, vom Gesichtspunkt der Preisbildung äußeren Faktoren, die für 
die Spartätigkeit maßgebend sind, sondern speziell auch den Einfluß 
des Preises der Kapitaldisposition, also des Zinsfußes, auf diese Faktoren 
und damit auf die Spartätigkeit eingehend zu untersuchen haben. 
Die äußeren Faktoren lernen wir am besten kennen, wenn wir die 
Triebkräfte, welche die’ Spartätigkeit bzw. ihren Gegensatz, die Über- 
konsumtion, bestimmen, näher analysieren. Dabei ist zunächst zu be- 
merken, daß Überkonsumtion und Sparen oft nur zwei Seiten oder 
richtiger zwei Stufen eines und desselben Wirtschaftsplans darstellen. 
Dies ist der Fall, wenn jemand von ungewöhnlich hohem Einkommen 
etwas zurücklegt, um solche Ersparnisse in kommenden schlechten 
Jahren zur Ergänzung seines Einkommens dienen zu lassen oder um- 
gekehrt, wenn jemand, der keinen solchen Sicherheits- oder Aus- 
gleichungsfonds angesammelt hat, in einem Unglücksjahr Geld leihen 
muß, welches er später in besseren Jahren allmählich zurückzahlt. Das- 
selbe ist der Fall, wenn ein junger Familienvater von seinem Gehalt 
gewisse Beträge zurücklegt, um künftig die Erziehungskosten seiner 
Kinder bestreiten zu können, oder umgekehrt, wenn ein Jüngling für 
seine Studien ein Darlehen erhält, welches er später, nachdem er eine 
gute Stellung erlangt hat, bezahlt. Das Verhältnis zwischen Bedarf und 
Deckungsmitteln stellt sich eben für den einzelnen sehr verschieden 
in verschiedenen Perioden seines Lebens. Diese Ungleichmäßigkeit der 
Versorgung läßt sich aber durch eine geeignete Zusammenstellung von 
Sparen und Überkonsumtion überwinden. Welche von diesen Tätig- 
keiten zeitlich vorausgehen soll, muß von den Umständen bestimmt 
werden. Wenn das Sparen vorausgeht, wird eine Kapitaldisposition für 
kürzere oder längere Zeit dem Markt angeboten. Geht die Überkonsum- 
tion voraus, wird im Gegenteil eine Kapitaldisposition für kürzere oder 
längere Zeit in Anspruch genommen. 
Eine Zusammenstellung von Sparen und darauffolgender Ver- 
zehrung des Ersparten, die im praktischen Leben eine besonders große 
Bedeutung hat, bilden die Rücklagen, die seitens weiter Schichten der 
modernen Gesellschaft zur Sicherung einer Pension gemacht werden, 
sei es, daß die Pension dem Sparer selbst bei einem gewissen Alter oder 
bei Invalidität, oder seinen Hinterlassenen zugute kommt. Von der 
großen Masse der Angestellten werden freiwillige oder obligatorische 
Beiträge zu Pensionskassen geleistet. Ein großer Teil der Lebens-
	        
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