Full text : Finanzwissenschaft

III.  Abschnitt.  Die  Geschichte  des  Staatskredites.

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zweifelt.  Der  erste  Versuch  eines  allgemeinen  Anlehens  geschah
im  Jahre  1643,  aber  mit  geringem  Erfolg.  Der  Zinsfuß  war  hoch,
7  Prozent.  Doch  stieg  zuweilen  der  Zinsfuß  auf  25  Prozent  und
mehr.  Die  Anlehen  waren  teils  schwebende,  teils  konsolidierte.
Die  Zinsenzahlung  geschah  sehr  unregelmäßig,  auch  Zinsenreduktionen
kamen  öfter  vor.  Gewöhnlich  war  der  Fond  bezeichnet,  aus  dem
die  Eückzahlung  zu  geschehen  hatte.  Die  Anlehen  waren  gewöhnlich ­
  pfandrechtlich  gesichert.  Im  Anfang  des  18.  Jahrhunderts
wurde  im  Interesse  des  Staatskredits  die  Wiener  Bank  gegründet,
welche  die  Aufgabe  hatte,  dem  Staate  Darlehen  zu  geben  und
welche  auch  mit  der  Verwaltung  der  indirekten  Steuern  betraut
war.  Die  Stadt  Wien  hatte  mit  der  Bank  nur  so  viel  gemein,  daß
sie  dieselbe  mit  ihrem  Kredit  unterstützte,  übrigens  war  die  Bank
Staatsbank,  oder  da  sie  ja  keine  Bank  in  heutigem  Sinne  war,
staatliches  Kreditvermittlungsinstitut.  Die  Bank  unterstützte  den
Staat  mit  Vorschüssen  und  in  dieser  Beziehung  übte  sie  eine  nützliche ­
  Tätigkeit  aus.  Ebenfalls  im  Interesse  des  Staates  wurde  die
allgemeine  Bankahtät  im  Jahre  1714  gegründet,  welcher  verschiedene ­
  Einnahmen  zuflössen,  insbesondere  Arrhen,  deren  man  vier
unterschied,  die  Bankalitätsarrha,  die  jeder  bezahlte,  der  Bankalist
werden  wollte,  die  Assignationsarrha,  die  jeder  bezahlte  für  die  pünktliche ­
  Erfüllung  der  Zahlungen,  die  Judenarrha,  die  jeder  Jude
zahlen  mußte  der  in  Wien  sich  aufhalten  wollte  usw.  Die  Bankahtät ­
  war  teils  Zentralstaatskasse,  teils  Bankinstitut.  Aber  dieses
Institut  entsprach  nicht  den  Erwartungen.  Auf  dem  Gebiete  des
Staatskredites  treten  später  die  ausländischen  Geldmärkte  in  den
Vordergrund,  so  im  18.  Jahrhundert  insbesondere  Holland  und
Itahen.  Die  Anlehen  waren  häufig  auf  die  Einnahmen  von  Bergwerken
oder  auf  Kriegskontributionen  basiert.  Mit  England  kam  Österreich
namentlich  auf  Grund  politischer  Interessen  in  Kreditverbindung,  infolge ­
  des  bei  Gelegenheit  des  spanischen  Erbfolgekrieges  geschlossenen ­
  Bündnisses.  Zur  Zeit  Maria  Theresias  zwang  vor  allem  der
siebenjährige  Krieg  zu  größeren  Kreditoperationen;  von  260  Millionen ­
  Gulden  Kriegskosten  wurden  167  Millionen  mittels  Anlehen
gedeckt,  wovon  ein  Teil  Zwangsaniehen  waren;  damals  wurde  auch
ein  Leibrentenanlehen  geschlossen,  eines  auf  Grund  der  ungarischen
Staatsdomänen,  ein  anderes  auf  Grund  der  ungarischen  Kriegskontributionen ­
  usw.  Während  des  Krieges  zeigen  die  Staatstitres  eine
sehr  tiefe  Wertsenkung,  aber  nach  dem  Kriege  stieg  der  Kurs  infolge ­
  pünktlicher  Tilgung  auf  94,  ja  sogar  auf  Pari,  so  daß  eine
Zinsenreduktion  durchführbar  war.  Ein  wichtiges  Datum  in  der
Geschichte  des  österreichischen  Staatskredites  ist  das  Jahr  1761,
            
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