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5. Buch. Der Staatskredit.
reichen Geistlichkeit vorgestreckt wurden. Bei der Unentwickeltheit
des Staatskredites griff man aber lieber zur Münzverschlechterung,
die gewissermaßen eine außerordentliche Einnahmequelle bildete.
Peter der Große war prinzipieller Gegner der Staatsschulden. Die
Kaiserin Katharina setzt die Asignaten in Verkehr, die wohl im
Anfange beliebt waren, dann aber infolge der Kriege in solcher
Menge umliefen, daß auf deren Einlösung verzichtet werden mußte.
Bei dem Tode Katharinas (1796) betrug deren Betrag 156 Millionen
Kübel. In dieser Periode wurden auch im Auslande Anlehen auf
genommen, so in Holland und Italien. Mehrmals tauchten auch
Tilgungspläne auf, aber mit wenig Erfolg. Die Napoleonischen
Kriege brachten eine große Steigerung der Staatsschuld mit sich.
Im Jahre 1817 beträgt die Summe der Assignaten 886 Millionen
Rubel. Mit Wiederherstellung des Friedens wird ein Teil der
Assignaten zurückgezogen, von der Staatsschuld zum Lohne für die
von Rußland für Niederringung Napoleons geleisteten Dienste, von
England und Holland übernommen. Aber auch die Tilgung der
Staatsschuld wurde in Angriff genommen, zu welchem Zwecke Staats
domänen verkauft wurden. Aber infolge von Kriegen, Vorbereitungen
zu neuen Kriegen- und auch kulturellen Aufgaben zeigt die Staats
schuld wieder ein bedeutendes Steigen. Eine günstige Periode des
russischen Staatskredites beginnt in den achtziger Jahren. Die Besse
rung der finanziellen Verhältnisse, das Sinken des internationalen
Zinsfußes, die politischen Verhältnisse schufen eine günstige Lage.
Das Iprozentige russische Goldanlehen, dessen Kurs im Jahre 1880
75 war, stieg 1897 auf Pari. Diese günstige Lage wurde zu Kon
versionen benutzt und an die Stelle der öprozentigen Titres treten die
4 prozentigen. Von 1889 bis 1892 wurden 1667 Milhonen Rubel
konvertiert, 1894 wurde mehr denn eine Milliarde von 5 Prozent
auf 4 Prozent konvertiert. Ja in demselben Jahre wurde in Paris
ein 100-Millionen-Rubel-Anlehen in Gold zu 3'j 2 Prozent placiert
und 1896 ein Sprozentiges Goldanlehen. Ein großer Teil dieser
Anlehen wurde zu produktiven Zwecken verwendet, ein Teil zu einer
der nützlichsten Maßnahmen, zur Ordnung der Valuta. Nach
Schulze-Gävernitz, dem wir diese Daten entnehmen, haben seit
1887 die Aktiva in größeren Maße zugenommen als die Passiva.
7. Es gibt kaum einen Staat,.der — von wenigen Ausnahmen
abgesehen, — so streüge sich an das Prinzip gehalten hätte, daß
die Staatsschulden so weit als möglich getilgt werden sollen, wie
Nordamerika. Dies zeigte sich namentlich nach dem Bürgerkriege.
Die Staatsschuld, die damals 7800 Millionen Dollar betrug, sank
infolge der Tilgung bis 1892 auf 585 Millionen. Washington und