Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Die  staatswirtschaftliche  Regierung.  673
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die  natürliche  Güte,  gegen  die  Generosität  Ew.  Majestät  zu  kämpfen
haben,  sowie  jener  Personen,  die  ihr  am  teuersten  sind.  Ich  werde
gefürchtet  und  gehaßt  sein  von  dem  größten  Teile  des  Hofes,  von
allen,  die  Gunstbezeigungen  erwarten.  Alle  Abweisungen  werden
mir  zugeschrieben  werden;  man  wird  mich  als  einen  harten  Mann
darstellen,  weil  ich  von  Ew.  Majestät  fordern  werde,  daß  sie  selbst
diejenigen,  die  sie  liebt,  nicht  bereichern  darf  auf  Kosten  der  Erhaltung ­
  des  Volkes.  Das  Volk,  dem  ich  mich  opfern  werde,  ist  so
leicht  zu  täuschen,  daß  ich  mir  vielleicht  jenen  Haß  zuziehen  werde,
selbst  durch  jene  Maßregeln,  welche  ich  ergreifen  werde,  um  es  vor
Plackereien  zu  schützen.  Ich  werde  verleumdet  werden  und  vielleicht ­
  mit  genügendem  Anscheine,  um  das  Vertrauen  Ew.  Majestät
zu  verlieren.  Ich  werde  es  nicht  im  geringsten  bedauern,  einen
Posten  zu  verlieren,  den  ich  nie  angestrebt  habe.  Ich  bin  bereit
denselben  in  die  Hände  Ew.  Majestät  zu  legen,  sobald  ich  nicht
mehr  hoffen  darf,  hier  nützlich  zu  sein“  1 ).  Wie  bald  ist  all  das
wirklich  eingetroffen!
Bemerkenswert  sind  auch  die  Äußerungen  Justis  von  dem  Charakter ­
  und  den  Eigenschaften  eines  echten  und  falschen  Kameralisten ­
  (also  in  erster  Reihe  von  Finanzministern).  Die  Eigenschaften
des  echten  Kameralisten  sind  folgende:  1.  ein  echter  Kameralist
muß  ein  rechtschaffener  Mann  sein;  2.  er  muß  über  alle  Bestechungen ­
  und  Nebenabsichten  erhaben  sein;  3.  er  muß  ein  Patriot
sein  und  dag  gemeinschaftliche  Beste  lieben;  4.  er  muß  dieses  gemeinschaftliche ­
  Beste  dem  scheinbaren  Besten  des  Fürsten  vorziehen; ­
  5.  er  muß  Leutseligkeit  und  Menschenliebe  besitzen;  6.  er
muß  eine  gewisse  Unbiegsamkeit  haben,  sich  durch  keinerlei  Betrachtungen, ­
  Vorstellungen  und  Rücksichten  bewegen  zu  lassen,  die
echten  Kameralgrundsätze  und  die  Regeln  der  Gerechtigkeit  außer
Augen  zu  verlieren;  7.  er  muß  ein  guter  Haushalter  sein;  8.  er
muß  eine"  große  Erkenntnis  haben;  9.  er  muß  alle  Ökonomien  des
Staates  verstehen;  10.  er  muß  gelehrt  sein,  ob  er  diese  Gelehrsamkeit ­
  auf  Akademien,  aus  Büchern,  aus  der  Erfahrung,  oder  durch
die  Vereinigung  der  Bücher  mit  der  Erfahrung  erworben  hat,  das
ist  gleichgültig;  11.  er  muß  ein  großes  Genie  sein.  Niemand  kann
ein  großer  Kameralist  sein,  der  nicht  ein  großes  Genie  besitzt.  Ein
großes  Genie  besteht  hauptsächlich  in  einer  großen  Erfindungskraft,
und  daß  man  viele,  dem  menschlichen  Geschlechte  nützliche  und
wichtige  Wahrheiten  in  allgemeine  Begriffe  bringen  und  in  ein
neues  Licht  und  Verhältnis  setzen  kann.  Man  sieht  leicht,  daß

9  Oeuvres  de  Turgot,  II.  Bd.  8.  168.
Földes,  Finanzwissensehaft.

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