950 Die Weltwirtschaft.
großen Schwankungen im Werte unterliegen. Endlich muß es die Eigenschaft leichter
Teilbarkeit ohne Wertminderung besitzen, um den verschiedensten Umsätzen dienen zu können.
Allen diesen Anforderungen entsprechen am vollkommensten die Edelmetalle,, die außerdem
wegen ihres hohen Eigenwertes es gestatten, mit verhältnismäßig kleinen und leicht zu be
fördernden Metallmengen große Umsätze zu bewerkstelligen. Seit den ältesten Zeiten dienen
sie daher als das vorzugsweise Mittel der Wertübertragung, und heute ist die Edelmetall
münze die ausschließliche Grundlage des Geldwesens, zum mindesten die rechnungsmäßige.
Allerdings gestalten sich die Verhältnisse verschieden im nationalen und im inter
nationalen Verkehr.
Während nämlich im internationalen Zahlungswesen die Sicherheit der
Annahme des Zahlungsmittels durch seinen allgemein anerkannten Eigenwert, das heißt
beim Metallgelde dadurch bedingt ist, daß der Nennwert der Münze mit ihrem Metallwert
übereinstimmt, kann innerhalb der Grenzen eines Staates diese Sicherheit auch durch
staatliche Vorschrift herbeigeführt werden. Thatsächlich geschieht dies auch überall.
Für den Kleinverkehr dienen die Scheidemünzen, deren Metallwert weit hinter dem
ihnen durch die Gesetzgebung beigelegten Werte zurückbleibt, und die ihre Geltung nur
dadurch haben, daß der Staat sie bei der Stenerentrichtung in Zahlung nimmt und
gleichzeitig vorschreibt, daß sie bis zu einem gewissen Betrage auch allgemein angenommen
werden müssen. Ähnlich verhält es sich mit dem Staatspapiergeld, dessen Geltung
gleichfalls auf der Möglichkeit, damit die Stenern zu entrichten und auf der durch
staatliche Verfügung ausgesprochenen Verpflichtung, es bei Zahlungen unbeschränkt anzu
nehmen, beruht. Über die Staatsgrenzen hinaus äußern derartige Vorschriften selbst
verständlich keine Wirkung. Werden daher in einem Staate übermäßige Mengen von
unterwertiger Scheidemünze oder Papiergeld in Umlauf gesetzt, so verdrängen sie all
mählich das vollwertige Metallgeld, da man sich bei Zahlungen im Auslande der Gold
oder Silbermünzen bedient, bei denen der innere im internationalen Verkehre anerkannte
Wert mit dem Nennwert übereinstimmt, während die Zahlungen im Jnlande mit dem
Papiergelde oder der unterwertigen Scheidemünze vorgenommen werden, die im Aus
lande keinen Kurs haben. Das schlechte Geld verdrängt das gute Geld. Der
gleiche Vorgang vollzieht sich, wenn in einem Lande das Wertverhältnis zwischen den
vollwichtig ausgeprägten Gold- und Silbermünzen gesetzlich festgestellt ist, das Preis
verhältnis der beiden Metalle auf dem Weltmärkte aber von diesem Wertverhältnis
abweicht. So ist beispielsweise in Frankreich das Wertverhältnis zwischen Gold und
Silber mit 1:15^ festgestellt, während es auf dem offenen Weltmärkte ungefähr 1:31
beträgt. Würde nun in Frankreich ebenso wie Gold auch Silber zur unbeschränkten
Ausprägung für Privatrechnung angenommen werden, so würde das im Anslande ge
kaufte Silber durch die Ausprägung in Frankreich und durch die Verpflichtung unbe
schränkter Annahme nach dem Wertverhältnisse von 1:15*/, im inneren französischen
Verkehr eine Werterhöhung auf ungefähr das Doppelte erfahren. Man würde daher
alle Zahlungen nach und in Frankreich in Silber leisten, während die Zahlungen Frank
reichs an das Ausland in Gold geleistet werden müßten, so daß binnen kurzem das letzte
Goldstück aus dem französischen Münzumlaufe verschwunden sein würde. Um dies zu
verhüten, wurde denn auch in Frankreich die freie Silberprägung für Privatrechnung
eingestellt, so daß nur die schon im Umlaufe befindlichen Silbermünzen ihre Geltung
behalten und infolge ihrer gleichbleibenden, durch den Verbrauch sogar sich vermindernden
Mengen eine Verdrängung des Goldes nicht eintreten kaun.
Aber auch im internationalen Verkehre kommen Ersatzmittel für das Edel
metallgeld vor, wie beispielsweise die Banknoten, Cheks und ähnliche Schuldver
schreibungen. Auch hier ist der innere Wert entscheidend, und eine Banknote wird im
internationalen Verkehr nur dann Geltung haben, wenn man die Gewißheit besitzt,
jederzeit dafür die entsprechende Menge vollwertigen Metallgeldes erhalten zu können.
Die Bedeutung, welche jedem der beiden Metalle Gold und Silber für den Welt
verkehr als Wertmesser und Zahlungsmittel zukommt, war eine wechselnde. Lange Zeit