118 Fünftes Buch. Drittes Kapitel.
Geschlechter suchten ihre Gewalt nach dem mittleren Main vor⸗
zuschieben und trafen in diesem Bestreben aufeinander. Dieser
Kampf mußte zugleich die Entscheidung bringen, welchem der
Geschlechter die führende Stellung in Franken, die Herzogswürde
zufallen werde. Die Fehde, langandauernd, blutig und grausam,
ward noch ganz in altgermanischem Sinne geführt: als wich—
tigstes aller menschlichen Motive waltet in ihr die Blutrache;
ihre Einzelheiten verschvimmen für uns im Nebel der Sage.
Es siegten schließlich die Konradiner von der Lahn; Adalbert,
der letzte Babenberger, fand schimpflichen Tod durch die Hand
des Henkers.
In Schwaben scheinen die Kämpfe um das Herzogtum,
soweit die lückenhafte und dunkle Überlieferung ein Urteil
zuläßt, wesentlich mit durch den Gegensatz zwischen Laien und
Klerus bestimmt gewesen zu sein. Zu herzoglicher Stellung
hob sich allmählich aus wirren Kämpfen der Markgraf Burchard
von Rätien, doch konnte er sich nicht halten; von den Grafen
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Doch dauerten die Bestrebungen, eine herzogliche Gewalt zu
begründen, auch nach seinem Tode fort; und schließlich teilten
sich zwei Brüder in den Besitz der höchsten Gewalten, die
Kammerboten Berhtold und Erchanger aus dem mächtigen Ge—
schlecht der Alaholfinger, dessen Erben teilweis die Zähringer
gewesen sind.
Durchaus eigenartig und abweichend endlich verlief die
Begründung der herzoglichen Gewalt in Lothringen. Hier war
der Stammeszusammenhang der Franken, sieht man von den
Friesen ab, die in urzeitlicher Verfassung verharrten, längst sehr
locker: kein Stamm war tiefer in die alte römische Kultur ein—
getaucht, keiner durch die Beschaffenheit des Landes mehr in
seinen Interessen zerstückelt: Nord- und Südlothringen waren
getrennt durch das Massiv der Eifel und Ardennen; im Norden
herrschte die niederdeutsche Tiefebene vor, der Süden gehörte
dem mitteldeutschen Gebirgsland. So trat dem Stammesgefühl
bald überall lokaler Partikularismus entgegen, und ihm ent—⸗
sprach die feindliche Sonderstellung der vornehmsten Geschlechter.