Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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international  werden,  und  daß  zugleich  diese  Riesenverbände  untereinander
wieder  Abmachungen  treffen.  Schließlich  bliebe  dann  nur  noch  eine  Zentralstelle
  übrig,  die  die  Produktion  der  ganzen  Welt  einheitlich  reguliert.
Dann  wären  allerdings  die  Krisen  ausgeschlossen,  die  ja  auf  der  Planlosigkeit
unserer  Wirtschaft  beruhen."

Die  soziale  Revolution.
i.
„Was  du  da  das  letztemal  gesagt  hast,"  begann  Wilhelm  die  Unterhaltung, ­
  als  wir  uns  nach  längerer  Unterbrechung  wieder  trafen,  „das  hat
mir  viel  zu  denken  gegeben.  Wenn  man  sich  vorstellt,  daß  die  ganze  Wirtschaft ­
  der  Welt,  die  ganze  Produktion  von  einer  Zentralstelle  aus  geleitet
wird,  und  wenn  man  sich  diesen  Zustand  auszumalen  versucht,  dann  ist
diese  Borstellung  doch  etwas  Schreckliches.  Dann  wäre  doch  die  ganze
Menschheit  nur  mehr  eine  Herde  von  Sklaven,  die  für  die  Leiter  dieser  j
Zentralstelle  schuften  müssen.  Jeder  eigene  Wille  müßte  dann  aufhören,  ■
die  ganze  Welt  wäre  ein  Zuchthaus.  Ich  kann  nicht  glauben,  daß  uns  das  ;
wirklich  bevorsteht.  Und  doch,  wenn  ich  mir  wieder  überlege,  wie  jetzt  alles  ;
zur  Bildung  riesiger  Vermögen  drängt,  wie  die  Großen  immer  mehr  die
Kleinen  fressen  oder  doch  unterdrücken  und  dann  selbst  wieder  von  noch
Größeren  gefressen  oder  ausgebeutet  werden;  wenn  ich  bedenke,  wie  sich
diese  ganz  großen  Raubtiere  immer  mehr  in  Rudeln  zusammentun,  die
Kartelle  oder  Truste  oder  sonstwie  heißen;  wenn  ich  mir  das  alles  vergegen-  ;
wältige,  dann  sehe  ich  keine  andere  Möglichkeit,  dann  muß  ich  glauben,  daß
du,  Gustav,  recht  hast  und  wir  diesem  Zustand  der  allgemeinen  Sklaverei
entgegengehen."
„Ja,  das  hat  mir  Wilhelm  auch  schon  auseinandergesetzt,"  begann  nun
Karl,  „und  das  ist  mir  auch  viel  im  Kopf  herumgegangen.  Aber  ich  glaube  :
doch,  Wilhelm  kann  da  nicht  recht  haben;  das  darf  nicht  sein.  Gutwillig
werden  sich  die  Arbeiter  das  nicht  gefallen  lassen.  Sie  sind  ja  heute  schon
abhängig  und  unterdrückt  genug.  Aber  dann  wäre  ihre  Lage  doch  ganz  ;
hoffnungslos.  Heute  können  sie  doch  wenigstens  den  Unternehmer  wechseln,
von  bent  sie  sich  ausbeuten  lassen,  und  durch  die  Gewerkschaften  können  sie  I
eine  Verbesserung  ihres  Loses  erringen.  Aber  dann?  Dann  gäbe  es  doch  i
nur  mehr  einen  Riesennnternehmer,  und  wer  bei  dem  nicht  in  Gnade  !
steht,  der  ist  rettungslos  verloren,  der  findet  überhaupt  kein  Brot."
„Und  die  Gewerkschaften  können  dann  auch  nichts  inehr  machen,"  ]
unterbrach  hier  Wilhelm  seinen  Freund.  „Wenn  alle  Kapitalisten  zusam-  1
menhielten,  könnten  die  Gewerkschaften  heute  auch  schon  nicht  mehr  viel
ausrichten:  Und  je  größer  und  stärker  die  Verbände  und  Organisationen
der  Unternehmer  werden,  desto  schwieriger  wird  der  Gewerkschaftskampf.
Das  hast  du  mir  selber  neulich  auseinandergesetzt,  Karl,  als  ich  dich  nach
eurer  Vereinsversammlung  traf  und  du  mir  erzähltest,  was  der  Redner  dort
ausgeführt  hatte."
„Das  ist  schon  richtig,"  gab  Karl  kleinlaut  zu,  „aber  trotzdem  kann  ich
nicht  glauben,  daß^sich  die  Arbeiter  das  ruhig  gefallen  lassen  werden,  wenn
man  sie  ganz  zu  Sklaven  macht."
            
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