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Werte zuarunde. Aber trotz alledem wäre damit der Kapitalismus iclbst
noch nicht immöglich geworden. Aber letzt sehe ich ein, ich habe das Wich-
tiaste dabei vergessen oder doch nicht daran gedacht, die Arbeiter, chenn dav
Kapital in den Händen von wenigen liegt, wenn dre Arbeit immer mehr
von Maschinen verdrängt wird, wenn Krisen wnndso viele Firmen zugrunde
richten und ioundso viele wieder von den Kartellen verschlungen werden,
dann leiden die Arbeiter unter all dem am meisten. Aber ich habe letzt ein
sehen gelernt, daß die Sache ihre zwei Seiten hat. Denn geraoe durch diese
Vorgänge werden die Arbeiter, wie Marx sagt, „„durch den „pechanminus
des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschult, vereint und
organisiert" zum Kampfe gegen das Unternehmertum. . r
„Und vor allem gegen den Staat", fuhr Karl fort. Erst p-tzt verstehe
ich recht den Wert der politischen Forderungen der Sozialdemokraten, ^zhre
Durchsetzung würde bedeuten, daß die Proletarier die Macht m die Hand
bekommen/Wenn wir wirklich in Deutschland mn allgemeines und gleiches
Wahlrecht für alle Lertretungskörper hätten, nicht ein durch Wahltreis
ungleichheit und durch Klassenwahlrecht verhunztes i wenn wir Volks-
bewafsnunq imb Vereins- und Versammlungsfreiheit hatten, so daß Polizei
und Militär nicht mehr gegen Streikende auftreten konnten, dann wurde
es nicht lange dauern, bis die Arbeiterschaft von Stadt und Land die Herr
schaft in der Hand hätte." s
Aber was würden sie damit anfangen? fragte Wilhelm. „Wurde sich
dann wirklich lo viel ändern? Könnten denn die Arbeiter verhindern, daß
der Kapitalismus seinen Weg weitergeht?" * v , „ , , _ r
„Nun, jedenfalls würde es besser werden als heute, entgegnete Kart.
Stellen wir uns einmal vor, wir drei wären die sozialdemokratische Parla
mentsfraktion und hätten die Mehrheit im Reichstag Das erste, was ich
da diirchsetzen würde, wäre eine ausgiebige Altersrente. Mein Vater und
meine Mutter haben sich schon lange geiiug geplagt, ^etzt konnte ihnen schon
der Staat sine ordentliche Rente geben."
Ich glaube," meinte Wilhelm, „es wäre doch noch wichtiger, die
Arbeitszeit abzukürzen, dann würden die Arbeiter nicht so friih alt werden
Und bessere Schutzvorrichtungen, bessere Ventilation der Werkstatt
inüfeft" eingeführt werden," setzte Karl eifrig sein Programm fort, „und em
Minimallohn müßte festgesetzt werden. Weniger als dieser ourfte sur keine
Arbeit gezahlt werden." . , ^ £ „ t-,
„Nein, ich glaube, das Wichtigste ist doch die steuerfrage,^ fiel
Wilhelm eifrig ein. „Heute wird ein sehr großer Teil der Gelder fur den
Staat durch Zölle und indirekte Steuern hereingebracht, die die Lebensmittel
verteuern. Wenn wir einmal das Heft in der Hand hätten, dann nahmen
wir die reichen Leiste hoch: ich würde hohe Einkommensteuern einfuhren
ilnd Erbschaftssteuern, und wenn das nicht langt, dann sollen die großen
Kapitalisten nur etwas von ihrem Vermögen hergeben."
„Aber Donnerwetter, Wilhelm'" rief Karl ganz erstaunt; „dii bist ja
auf einmal ganz revolutionär geworden."
Das kommt davon," entgegnete Wilhelm, „wenn man einmal anfangt,
seinen Wilnschzettel aufzustellen. Solange man glaubt, alles muß so bleiben,
inte es ist, da fallen einem solche Forderiingen gar nicht mn. Wenn man
aber begriffen hat, daß die Arbeiter auch einmal zum Kommaiidleren dran
kommen inüssen, da fallen einem auch gleich alle möglichen schonen und guten
Dinge ein, die man diirchsetzen möchte."