fullscreen : Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde

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GEOGRAPHISCHE STAATENKUNDE

Zeit gewährleisten. Sie bestehen in dem Gefühl der Rassen-, Sprachenund
 Gesittungsgemeinschaft, das, abgesehen von Indien, alle großen
und wichtigen Teile des Weltreiches miteinander verbindet, in einer
Jahrhunderte zurückreichenden Tradition, die einen selbstbewußten
Nationalstolz nährt, und vor allem in dem Bedürfnis des gegenseitigen
Schutzes, den keiner der einzelnen Teile des Reiches zu entbehren
vermag. Die Voraussetzung für die Gewährung dieses gegenseitigen
Schutzes ist aber bei der ozeanischen Struktur des Britischen Imperiums
 die Beherrschung des Meeres, sein wichtigstes Instrument
also die englische Kriegsflotte. Aber gerade in diesem wichtigen Punkte
hat sich seit dem Kriege eine wesentliche Änderung ‘vollzogen. England
 hat die frühere absolute Überlegenheit zur See nicht erhalten
können, sondern mußte sie den Vereinigten Staaten gegenüber aufgeben,
 indem es diesen im Washingtoner Abkommen die gleiche Stärke
der Kriegsflotte zugestehen mußte. Daraus geht hervor, daß die
Sicherheit des Britischen Weltreiches nicht mehr allein in diesem selbst
ruht, sondern daß sie mit bestimmt wird von dem Grade des guter
Einvernehmens mit dem angelsächsischen Reiche der Neuen Welt.
Wie ernst aber dieses die Bestimmungen des Washingtoner Abkommens
nimmt, hat erst jüngst sein Eingreifen in das Abenteuer des beabsichtigten
 englisch-französischen Militärbündnisses und seine Stellung
zu den gegenwärtigen Erörterungen der Abrüstung zur See mit genügender
 Deutlichkeit gezeigt.
In der Tat ist die Union auf dem Wege, Englands Raum- und
Machtbereich wesentlich einzuschränken. Sie hat nicht nur in ihrem,
ein politisches Programm bedeutenden Namen und in der sogenannten
Monroedoktrin (vgl. S. 260) ihre Besitzansprüche auf den ganzen amerikanischen
 Kontinent angemeldet, sondern auch mit dem Erwerb der
Hawaii-Inseln und der Philippinen den Fuß in den Pazifischen Ozean
hinausgesetzt. Durch Einmischung in den europäischen Krieg hat sie
auch den Atlantischen Ozean schon überschritten, und das so erfolgreich,
 daß sie infolge ihrer unerschöpflichen natürlichen Hilfsquellen
in diesem Kriege zum Schlusse sogar den entscheidenden Einfluß ausgeübt
 und die politische Führung an sich gerissen hat. Allerdings
scheint neuerdings die Politik der Vereinigten Staaten wieder das
Hauptgewicht auf die Verfolgung der alten, rein amerikanischen Ziele
zu legen und den Ausbau zu einer „westhemisphärischen Großmacht“
 zu erstreben. Wie weit ihr das gegenüber Kanada und den
südamerikanischen Staaten gelingt, muß erst die Zeit lehren. Immerhin
 wäre es möglich, daß England dem amerikanischen Druck im Westen
weicht und sich auf die Festigung seines atlantisch-mittelmeerischindischen
 Machtblocks beschränkt. Es wäre dann seiner Lage nach die
„mittlere Weltgroßmacht“, der man vielleicht Japan als osthemisphärische
 Großmacht zur Seite stellen könnte.
Neben den gegenwärtigen Großmächten und denen, die sich als solche
fühlen, gibt es eine Reihe politischer Gebilde, die unverkennbar die Keime
künftiger Großmachtstellung in sich tragen. Es handelt sich vor allem um die
südhemisphärischen Länder Australien, die Südafrikanische Union und
die ABC-Staaten Südamerikas, besonders Argentinien. Große, landwirtschaftlich
 und zum Teil auch bergmännisch oder industriell stark entwicklungs
            
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