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Aber wehe, wenn ein Bauer einmal etwas gegen die Herrschaft au
fteilte! Da war die „Gerechtigkeit" sehr geschwind und dann regnete es nur
so Stockprllgel. Und da gab es ganz kuriose Verbrechen. So kriegte zu meiner
Zeit einmal unser NaMar fünf saftige Hiebe, weil er in der. geheiligten
Nähe des herrschaftlichen Beamten beim Ackern unter Geräusch respekt-
widrigen Gasen den Abzug erlaubt hatte!"
„Ja, siehst du," sagte der Großvater, „so sah es in meiner Jugend
aus. Heute geht der Bauer, dem es hier nicht mehr recht ist, nach Amerika.
Damals durfte er überhaupt nicht weg ohne Bewilligung der Herrschaft.
Und wenn einer ein keckes Wort riskierte, gab es einfach Prügel und ein
dunkles Loch, wo man bei Wasser und Brot über den Wert der Demut nach
denken konnte."
■ „Aber, Großvater," sagte ich endlich, „wie ist es denn aber gekommen,
daß heute alles so anders ist? Wer hat denn das bewirkt?"
Aber der Großvater war schon müde vom Erzählen und so versprach
er, mir davon ein andermal zu berichten.
Die Bauernbefreiung.
„Nun, siehst du", begann jetzt Karl, der schweigend und aufmerksam
zpgehört hatte. „Es wird ja gewiß interessant sein zu hören, wieso sich die
Zustände auf dem Lande so gründlich geändert haben seit der,Kindheit Leines
Großvaters; aber so viel steht doch jedenfalls schon einmal fest, daß sich m
der kurzen Zeit sehr viel geändert hat. Ich habe, wie es verabredet war,
ebenfalls meinen Vater um seine Lebensgeschichte befragt, und aus ihr geht
es auch klar hervor, daß es ein Schwindel ist, wenn immer gesagt wird, alles
sei stets so gewesen, wie es heute ist und werde darum auch so bleiben. Diese
Geschichte werde ich aber erst erzählen, wenn Wilhelm die semes Großvaters
beendet haben wird. Also los, erzähle."
Und Wilhelm begann wieder: „Sobald ich sah, daß der Großvater
wieder einmal gut aufgelegt war, erinnerte ich ihn an sein Versprechen,
mir seine'weiteren Erlebnisse zu schildern, und wie es denn gekommen rst,
daß der Bauer heute so ganz anders lebt als vor 60 oder 70 Jahren."
„Es ist ganz gut," meinte der Großvater, nachdem er sich eine neue
Pfeife angesteckt hatte, „daß dein Vater gerade nicht zu Hause ist; denn der
würde es wahrscheinlich nicht gern hören, wenn ich dir von der Revolution
erzähle, die die Bauern frei gemacht hat; aber dasüst ja schon solange her
und heute gibt es keine Bauern mehr zu befreien. Freilich, damals dachte
von den Bauern agch keiner daran, wie nahe so große Ereignisse bevor
standen. Wenigstens vor uns Jungen to at nie die Rede davon. Aber eines
Tages, es wird so gegen Ende März des Jahres 1848 gewesen fern, da wurde
es unruhig bei uns im Dorf. Da kamen ganz besondere Gerüchte auf, daß
die Wiener auf den Straßen mit dem Militär gekämpft haben, daß dw
Minister davongelaufen sind, daß jetzt auf einmal dort Freiheit herriwt
und jeder reden und tun kann, was er will. Zuerst wollte niemand recht
daran glauben; aber am nächsten Sonntag predigte der Herr Pfarrer m
der Kirche gegen den Aebermut des Volkes, das in Wien schon begonnen
habe, selber zu regieren und den guten Kaiser zu verjagen. Na, jetzt wußten
wir es doch, daß etwas geschehen war, und bald kriegten tote auch bessere
Nachrichten Einer der größten Bauern im Dorf hatte einen Sohn, der m