Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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—  37  —
„Zwei  Wochen,"  antworteten  Karl  und  Wilhelm  zugleich.
„Nun  also,"  begann  ich  wieder.  „Jetzt  haben  wir  für  die  zwei  Röcke
vier  Wochen  Luchmacherarbeit  und  eine  Woche  Schneiderarbeit,  macht  zusammen ­
  fünf  Wochen;  für  die  drei  Hüte  zwei  Wochen  Filzmacherarbeit  und
eine  Woche  Hutmacherarbeit,  macht  drei  Wochen.  Folglich  werden  sich  also  die
zwei  Röcke  im  Wert  zu  den  drei  Hüten  verhalten  wie  fünf  Wochen  zu  drei,
das  heißt  sie  werden  sich  im  Verhältnis  von  fünf  zu  drei  austauschen."
„Wenn  also,"  ergänzte  Wilhelm,  „die  zwei  Röcke  zum  Beispiel  50  Mk.
kosten,  so  werden  die  drei  Hüte  zusammen  30  Mk.  kosten."
„Oder,"  fügte  Karl  hinzu,  „man  kann  auch  sagen,  daß  sich  sechs  (2X3)
Röcke  gegen  15  (3X5)  Hüte  eintauschen."
„Das  ist  alles  recht  schön  und  gut,"  bemerkte  Wilhelm.  „Aber  ich  glaube,
deine  Rechnung  hat  doch  ein  Loch.  Du  sprichst  von  Schneider  und  Hutmacher;
da  mag  es  stimmen,  daß  sich  dem  Beruf  um  so  mehr  Seute  zuwenden,  je  mehr
Wert  er  erzeugt.  Wenn  wir  aber  zum  Beispiel  einen  Uhrmacher  und  einen
gewöhnlichen  Maurer  miteinander  vergleichen,  dann  ist  klar,  daß  viele  Seute
eher  tauglich  sein  werden,  Maurer  als  Uhrmacher  zu  werden.  Zu  diesem
Beruf  muß  man  doch  viel  geschickter  sein  und  auch  viel  mehr  lernen.  Da
stimmt  dann  deine  Rechnung  nicht,  da  werden  sich  die  Werte  nicht  ausgleichen."
„Du  hast  ja  ganz  recht,"  erwiderte  ich.  „Also  sehen  wir  jetzt  zu,  was
die  Folge  davon  ist.  daß  die  Arbeit  des  einen  schwerer  zu  erlernen  ist  als  die
lles  anderen."
„Nun,  da  werden  eben  weniger  Seute  sich  dem  schwereren  Beruf  zuwenden," ­
  meinte  Karl,  „und  daher  werden  auch  die  dort  erzeugten  Waren
einen  größeren  Tauschwert  haben."
„Also  wird  man  zum  Beispiel,"  ergänzte  ich,  „das  Produkt  von  zwei
Tagen  Maurerarbeit  für  das  Produkt  von  einem  Arbeitstag  des  Uhrmachers
hergeben  müssen.  Ihr  seht  also,  daß  das  Gesetz,  daß  sich  die  Waren  in  dem
Verhältnis  gegeneinander  austauschen,  wie  sie  Arbeitszeit  enthalten,  in
dieser  Form  noch  nicht  ganz  richtig  ist.  Es  ist  notwendig,  es  noch  weiter  durch
die  Bestimmung  zu  ergänzen,  daß  die  von  einem  Arbeiter  auf  eine  Ware  aufgewendete ­
  Arbeitszeit  um  so  mehr  Wert  schafft,  je  schwieriger  zu  erlernen
und  auszuführen  diese  Arbeit  ist."**
Ilf.
„Nun  können  wir,"  fuhr  ich  fort,  „noch  eine  Art  Probe  machen,  o»
unsere  Untersuchung  uns  nicht  irregeführt  hat.  Nehmen  wir  einmal  an,  die
Stadt,  in  der  unser  Schneider,  Hutmacher,  Maurer,  Uhrmacher  und  noch
viele  andere  Handwerker  leben,  sei  plötzlich  in  einen  tiefen  Schlaf  verfallen,
wie  die  Bewohner  des  Schlosses  in  dem  schönen  Märchen  vom  Dornröschen.
Was  wird  dann  mit  all  den  Häusern,  den  Werkzeugen,  den  Warenvorräten
u.  s.  w.  geschehen?"
„Da  wird  alles  mit  der  Zeit  kaput  gehen,"  erwiderte  Karl.  „Bei  den
Dächern  wird  es  hineinregnen,  das  Werkzeug  wird  rosten,  das  Fleisch  wird
faulen,  das  Vieh  davonlaufen  oder  verhungern,  die  Straßen  werden  mit
Gras  überwachsen  werden,  alles  wird  ruiniert."
„Wodurch  wird  aber  nun  in  Wirklichkeit  bewirkt,  daß  das  nicht  nur
nicht  geschieht,  sondern  daß  zugleich  fortwährend  neue  Werte  geschaffen
werden,  daß  zum  Beispiel  nach  einem  Jahr  mehr  Häuser,  mehr  Sebensmittel,
  mehr  Gerätschaften  da  sind  und  diese  zusammen  einen  größeren
Wert  repräsentieren  als  zu  Beginn  dieses  Jahres?"
            
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