Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Vorwort.
Die  »vorliegende  Schrift  bildet  eine  Zusammenfassung  von  Artikeln, ­
  die  mein  lieber  Freund  Eckstein  einige  Jahre  vor  dem  Kriege
in  der  Berliner  „Arbeiterjugend"  erscheinen  ließ.  Sie  waren  so  gelungen
und  fanden  solchen  Beifall,  daß  von  den  verschiedenste^  Seiten  der
Wunsch  laut  wurde,  sie  möchten  in  Buchform  erscheinen  und  damit
weiteren  Kreisen  und  auch  den  dem  Jugendalter  entwachsenen  Teilen
der  Arbeiterschaft  zugänglich  gemacht  werden.
Eckstein  machte  sich  gern  anheischig,  der  Anregung  Folge  zu  leisten,
doch  wollte  er  die  Artikel  noch  nach  manchen  Richtungen  hin  vervollständigen. ­
  Andere  dringendere  Arbeiten  hinderten  ihn  zunächst  daran,
dann  kam  der  Krieg  mit  seinen  Aufregungen  und  Entbehrungen,  die
unseren  bereits  schwer  erkrankten  Freund  vollends  niederwarfen  und
damit  unserer  großen  Sache  vorzeitig  einen  unserer  treuesten  Genossen,
unserer  unerschrockensten  Vorkämpfer,  unserer  erfolgreichsten  Lehrer,
unserer  tiefsten  Denker  raubten.
Umfassende  Arbeitspläne  nahm  unser  unvergeßlicher  Kamerad
mit  sich  ins  Grab.  So  war  er  auch  nicht  mehr  dazugekommen,  feine-„Gespräche
  zur  Einführung  in  die  Grundbegriffe  des  wissenschaftlichen
Sozialismus"  in  Buchform  herauszugeben.  Ein  Jahrzehnt  der  kolossalsten ­
  Umwälzungen  liegt  seit  ihrer  Abfassung  und  ihrem  jetzigen  Erscheinen. ­
  Aber  sie  haben  seitdem  an  Bedeutung  nichts  verloren  und
sind  durch  keine  Publikation  ähnlicher  Art  überholt  worden.
'  Es  ist  eben  nicht  leicht,  Ergebnisse  der  modernen  Wissenschaft,  die
so  ungeheuer  viele  Kenntnisse  voraussetzt,  zu  popularisieren,  ohne
Schaden  für  die  Wissenschaft;  das  heißt,  jene  Ergebnisse  einem
Publikum,  das  nur  über  das  dürftige  Wissen  der  Volksschule  verfügt,
verständlich  zu  machen,  ohne  die  Erkenntnisse  zu  verflachen,  zu  versimpeln ­
  oder  zu  vergröbern.  Mit  einem  Worte,  es  ist  nicht  leicht,
populär  zu  fein,  ohne  vulgär  zu  werden.
Es  gehört  dazu  eine  Summe  sehr  verschiedener  Fähigkeiten,  die'
nur  selten  in  einer  Person  vereinigt  anzutreffen  sind:  ein  starker  wissenschaftlicher ­
  Sinn  wie  vollkommene  Beherrschung  des  Gegenstandes,
daneben  aber  auch  eine  große  dialektische,  das  heißt  lehrhafte  Begabung
und  tiefstes  Verständnis  für  die  geistige  Eigengrt  des  Publikums,  für
das  man  popularisiert,  ein  Verständnis,  das  nur  erworben  wird  von
solchep,  di^  mit  ihrem  Publikum  seit  Jahren  durch  regen  persönlichen
Verkehr  aufs  innigste  vertraut  sind  und  es  aufs  liebevollste  in  allen
seinen  Aeußerungen  belauschen.
Das  gilt  von  der  Popularisierung  jeder  Wissenschaft.  Der  wissenschaftliche ­
  Sozialismus  setzt  aber  überdies  noch  voraus,  daß  man  in
verschiedenen  Wissenschaften  zu  Hause  ist.
            
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