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„So viel ich weiß," entgegnete Karl, „werden aber unsere Schrauben
jetzt nicht billiger berechnet und verkauft als früher. Da macht also der
Fabrikant doch den Gewinn."
„Nun also," triumphierte Wilhelm, „da siehst du klar, jjafe euer
Wertgesetz falsch ist. Wenn es richtig wäre, müßte ja der Wert der schrauben
um so viel heruntergehen, wenn statt der vielen Arbeiter jetzt nur noch
einer zur Bedienung der Maschine verwendet wird."
„Halt!" rief ich nun dazwischen, „nur nicht gar so rasch! Wenn du
dich recht erinnerst, hat unser Wertgesetz gesagt, daß der Wert der Waren
von der Arbeitszeit abhängt, die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich not
wendig ist. Das darf man dabei eben nicht vergessen. Nun werden ja außer
in der Fabrik, wo Karl beschäftigt ist, auch in vielen anderen Schrauben
angefertigt. Als nun die erste automatische Drehbank dieser Art in irgend
einer Fabrik eingeführt wurde, da änderte sich dadurch der Wert der dort
hergestellten Schrauben nicht sofort- denn gesellschaftlich notwendig war
auch die Arbeit in allen jenen Werken, wo noch ohne die neue Maschine
gearbeitet wurde. Erst allmählich, wie sich die neue Erfindung ausbreitete
und allgemeine Verwendung fand, sank der Wert der Schrauben, weil jetzt
die Arbeit in den rückständigen Betrieben nicht mehr notwendig ist, um^den
gesellschaftlichen Bedarf zu decken. Zuerst hatten jene Werke einen beträkch-
lichen Vorteil, welche die neue Drehbank eingeführt hatten, da der gesell
schaftliche Wert der Schrauben damals viel höher stand, als die Arbeits
menge ausmachte, die in jenen fortgeschrittenen Betrieben aufgewendet
wurde. Allmählich aber sank nun der Wert der Schrauben, und nun waren
die anderen Betriebe geradezu gezwungen, auch diese Erfindung bei sich
einzuführen, denn nun war die Arbeit so vieler Arbeiter statt eines einzigen
nicht mehr gesellschaftlich nötig, der Bedarf der Gesellschaft konnte allen
falls auch von den Werken, die die neue Erfindung 'eingeführt hatten, allein
gedeckt werden. Wollten also die noch rückständigen Fabriken konkurrenz
fähig bleiben, wollten sie nicht so teuer produzieren, daß sich die Produktion
überhaupt nicht mehr rentierte, dann mußten sie die neue Maschine ein
führen. In diesem Falle war jedenfalls deine Fabrik, Karl. Denn so viel
ich weiß, sind diese Revolverdrehbänke in den großen Werken schon ziemlich
allgemein eingeführt."
„Ja, jetzt erinnere ich mich auch," ergänzte Karl, „daß vor der Ein
stellung der neuen Maschine gerade bei der Schraubenfabrikation am meisten
gehetzt und am meisten an den Löhnen abgeknapst wurde, und daß es dann
immer hieß, der Preis der Schrauben stehe so schlecht. Deshalb ist jedenbMs
endlich die neue Drehbank aufgestellt worden."
II.
Eine Weile waren meine beiden jungen Freunde ganz still geworden
und ich sah an ihrem Gesichtsausdruck, wie ihr Gehirn arbeitete. Endlich
sagte Wilhelm:
„Ja, das ist aber eine recht sonderbare Geschichte. Sobald eine Ma
schine allgemein ist, hat kein Fabrikant mehr etwas von ihr, vielmehr kostet
sie ihn nur schweres Geld. Und trotzdem suchen doch alle Fabrikanten um die
Wette, neue Maschinen in ihren Betrieben einzuführen. /
„Nun ja," ergänzte Karl, „weil sie doch nur so lange etwas von den
Maschinen haben, als sie den anderen damit voraus sind. Natürlich müssen
dann die anderen wieder schauen, möglichst, rasch auch in den Besitz solcher