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20 Prozent nur mehr 9 Prozent macht, dann wird er wohl bald das Ge
schäft aufgeben und sich einem lohnenderen zuwenden."
„Ja, aber was hat denn das mit unserer Frage zu tun?" warf Karl
dazwischen. „Das ist doch eine Privatangelegenheit des Fabrikanten, ob er
Strünrpfe erzeugt oder Glasspiegel oder sonst was."
„Oho," antwortete Wilhelm eifrig, das ist für den Preis gar nicht
so gleichgültig. Es ist doch nicht anznnehmen, daß die Löhne nur gerade
in diesem einen Betrieb steigen. Sie werden das in dieser ganzen
Industrie tun. Wenn nun da der Profit sinkt, dann wird sich das Kapital
aus diesem Erwerbszweig zurückziehen und sich anderen zuwenden, das
heißt aber, daß weniger Werte dieser Art erzeugt werden. Ist zum Beispiel
die Lohnsteigerung in der Strumpfwirkerei eingetreten, so werden jetzt
weniger Strümpfe erzeugt werden, da aber der Bedarf der gleiche geblieben
ist, werden die Preise der Strümpfe steigen, diese werden also doch teurer
werden, weil die Löhne gestiegen sind, und so behalte ich doch ausnahms
weise einmal recht."
„Das kann schon sein," erwiderte ich lachend. „Ich habe allerdings
gar nicht behauptet, daß die Erhöhung der Löhne gar keinen Einfluß aus
die Preise hat. Was du da sagst, ist auch ganz richtig; aber wir dürfen
dabei noch nicht stehen bleiben. Du hast ganz richtig gesagt, daß größere
Lohnerhöhungen sich gewöhnlich nicht aus einen einzelnen Betrieb be
schränken, sondern den ganzen Gewerbszweig erfassen. In einem solchen
Fall werden gewiß zunächst die Preise dieser Artikel steigen. Ob das von
Dauer sein muß, werden wir noch sehen. Aber wir sind ja von der Unter
suchung der Frage ausgegangen, ob eine allgemeine Erhöhung der Löhne
auch eine allgemeine Erhöhung der Preise mit sich bringt. Wir müssen uns
also jetzt dieser Frage zuwenden. Aendert sich etwas an dem, was du vorhin
über die Wirkungen der Lohnerhöhung aus die Preise ausgeführt hast, wenn
wir voraussetzen, daß alle Löhne gleichzeitig gleichmäßig gestiegen sind?"
„Natürlich," rief Karl eifrig dazwischen, „das ändert die Sache voll
ständig. Denn wenn durch die allgemeine Lohnerhöhung die Profite überall
herabgesetzt werden, ist ja kein Grund mehr vorhanden, warum das
Kapital sich aus dem einen Gewerbe zurückziehen und einem anderen zu
strömen sollte. Es kriegt ja wo anders auch nicht mehr Profit. Wenn also
die Lohnerhöhung allgemein ist, ändert sich an den Preisen gar nichts. Du
hast also doch wieder nicht recht, Wilhelm."
„Halt! Halt!" fiel ich lachend Karl ins Wort. „Bei dir gcht es doch
etwas gar zu geschwind. Wenn die allgemeine gleichmäßige Lohnerhöhung
wirklich überall die gleiche Herabsetzung des Profits zur Folge hätte, dann
wären deine Schlußfolgerungen ganz unanfechtbar. Aber es ist eben die
Frage, ob diese Voraussetzung richtig ist."
„Na, wie sollte sie denn das nicht sein?" fragte Karl ganz verdutzt.
„Nun, überlegen wir einmal," antwortete ich. „Wir haben da zum
Beispiel einen Steinbruch. Der ^erfordert sehr _ wenig Kapital zur An
schaffung von Maschinen u. s. w. Sagen wir, es seien 100 Mk. erforderlich
für Ersatz von Geräten, Instandhaltung der Straße, die zum^ Steinbruch
führt, den Wagen, auf denen die Steine verfrachtet werden, für Spreng-
material u. s. w. An Arbeitslöhnen werden 900 Mk. bezahlt. Das macht
also zusammen 1000 Mk. Das können natürlich ebensogut auch englische
Pfund sein oder tausende Mark, es handelt sich hier nur um ein willkürliches
Beispiel zur Veranschaulichung. Die Profitrate, das heißt das Verhältnis
des Profits zum ausgelegten Kapital, sei 20 Prozent, dann beträgt der