„Ob mehr cider weniger Arbeit zu ihrer Herstellung gesellschaftlich
notwendig ist", fiel mir Karl Jn§ Wort. „Aber wir haben gesehen, das;
dieses Gesetz in seiner ganzen Strenge nur für die Gesamtheit der Waren
gilt; der Preis der einzelnen Warengattung aber hängt auch von der Kon
kurrenz ab, welche die Kapitalien auf die verschiedenen Industrien verteilt.
Wenn die Löhne steigen, wird das Kapital dadurch aus den Industrien
vertrieben, in denen sich die Steigerung stärker fühlbar macht, und dort
steigen die Preise; es wird dorthin gelockt, wo die Lohnerhöhung weniger
bervortritt, und dort werden also die Preise sinken. Ich glaube, jetzt Habe-
ich die Sache verstanden."
„Vollständig", bestätigte ich. „Aber wir dürfen dabei nicht vergessen,
daß noch wichtiger für die Bestimmung des Preises als der bezahlte Lohn
oft der Preis des Rohmaterials ist. Nehmen wir wieder unseren Maschinen
fabrikanten. Steigt der Lohn in seinem Betrieb um 10 Prozent, so macht
das nicht so sehr viel aus, weil ja nur ein Zehntel seines Kapitals (100
von 1000) für Arbeitslöhne ausgelegt wird. Verteuert sich aber das Roh-
»raterial um 10 Prozent, so macht das für den Preis seiner Produkte viel
>nehr aus, da vielleicht die Hälfte des angewandten Kapitals für Roh
material ausgelegt werden muß. Kostet jetzt zum Beispiel der Stahl, aus
dem die Maschinen hergestellt werden sollen, statt 500 um 10 Prozent mehr,
also 550 (etwa Tausende Mark), so muß das Produkt uin 50 verteuert
werden; bei einer Steigerung des Arbeitslohnes um 10 Prozent müßte es
unter den vorhin genannten Bedingungen, wie wir gesehen haben, uni
46 Mark verbilligt werden, der Preis der Maschinen wäre also um 4
(50 — 46) gestiegen, die verbilligende Wirkung der Lohnerhöhung wäre
also nicht zu bemerken."
„Aha, ich sehe schon, wo du hinaus willst", unterbrach inich Karl.
„Wenn zur Erzeugung des Rohprodukts vixl lebendige Arbeit notwendig
ist, muß es teurer werden, sobald die Löhne steigen. Wenn dann in der Ver
arbeitung dieses Rohmaterials auch inehr Maschinen verwendet werden und
weniger lebendige Arbeitskraft, so müßte der Preis des fertigen Produkts
sinken, er steigt aber doch, weil das Rohprodukt teurer geworden ist." j
„Das ist alles sehr schön und scharfsinnig ausspintisiert", meinte nun
Wilhelm; „aber ich kann den Nutzen nicht recht einsehen. Zuerst hast dir
uns auseinandergesetzt, daß der Preis der in dieser Fabrik hergestellten
Maschinen sinken muß, wenn die Löhne steigen; jetzt heißt es wieder, daß
sie doch teurer werden müssen, weil das Rohmaterial int Preise gestiegen
ist. Auf diese Weise kann man doch sein Lebtag nicht Herauskriegen, wie
eine Lohnerhöhung auf den Preis von sagen wir einem Paar Stiefel
wirken wird. Einerseits sinkt der Preis, anderseits steigt er wieder, da soll
iich der Teufel auskennen."
„Ist das nicht schon ein Vorteil, daß wir das jetzt einseheir?" fragte
Karl lachend. „Vorhin haben wir doch beide geglaubt, daß eine allgemeine
Erhöhung der Löhne alle Waren teurer machen muß. Jetzt wissen wir, daß
das nicht wahr ist. Das ist doch auch was wert."
„Das ist aber nicht der einzige Zweck unserer Auseinandersetzungen",
erwiderte ich; „der wäre recht mager. Aber wenn auch jeder einzelne Fall
zu kompliziert ist, um ihn in so einfache Vorgänge aufzulösen, wie