Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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gängerinnen  werden  Opfer  für  die  Heidenbekehrnng  mit  den  einfachen  Wortenmir
  in  die  Hand  gelegt:  „Dat  is  för  de  Heiden,  dat  se  ok  bald  so  glücklich
ward,  als  wi  sünd.“
Das  ist  in  den  späteren  Jahren  keineswegs  anders  geworden;  im
Gegenteil:  das  rein  religiöse  Moment  hat  sich  noch  viel  mehr  durchgesetzt. ­
  Schon  im  Jahre  1862,  also  erst  7  Jahre  nach  Gründung
der  ersten  Niederlassung  spricht  sich  der  Superintendent  Hardelehen, ­
  der  oberste  Leiter  der  Mission,  gegen  die  Kolonisten
aus.  Er  schließt  seinen  Bericht  an  Harms:
Kurzum:  fast  in  jeder  Hinsicht  sind  Kolonisten  auf  einer  Station  der
Mission  nur  zum  Schaden.  Man  errichte  daher  in  jedem  größeren  Kreise  nur
eine  Station,  auf  der  auch  einige  Kolonisten  sind.  Die  müssen  von  dort  aus
auf  den  anderen  Stationen  zeitweilig  aushelfen,  wenn  Bauten  oder  andere
Extraarbeiten  solche  Aushilfe  nötig  machen.  Und  da  wir  nun  schon  fast  zu
viel  Kolonisten  haben,  bitte,  so  senden  Sie  wenigstens  die  ersten  10  Jahre
doch  ja  keine  mehr!
So  sah  es  also  damals  mit  der  Hermannsburger  Mission  aus,  in
der  nach  Le  Play  das  „Problem  der  Kolonisation  vollständig  gelöst“
ist.  Le  Play  war  von  der  Idee  der  „Stammfämilie“,  die  nach  ihm
in  der  schönsten  Weise  den  Fortschritt  mit  dem  Beharren  vereinigt,
schon  zu  sehr  eingenommen,  so  daß  seine  Objektivität  in  der  Beobachtung ­
  dadurch  bedeutend  geschwächt  wurde.  Vor  allem  kam
es  ihm  hier  darauf  an,  die  „Initiative“  dieser  Familienform  zu  erweisen. ­
  Dieser  Gedanke  hat  ihn  so  beherrscht,  daß  bei  ihm  aus
der  Hermannsburger  Mission  etwas  ganz  anderes  wurde,  als  wirklich
vorhanden  war.
In  dieser  Art  der  Beobachtung  liegt  eines  der  schwersten  Bedenken ­
  gegen  die  Monographien  Le  Play’s.  Er  hat  oft  gesehen,
was  er  sehen  wollte;  aber  ebenso  oft  hat  er  auch  das  nicht  gesehen,
was  er  nicht  sehen  wollte,  was  gegen  seine  schon  anderweitig  gewonnene ­
  Meinung  war.
Optimistische  Beurteilung  der  Anerbenfamilie  überhaupt.
Auch  hier  kann  wieder  die  Darstellung  der  „Stammfamilie“  als
Beispiel  gelten.  Von  ihr  erwartete  Le  Play  die  „Soziale  Reform“;
deshalb  sah  er  an  ihr  nur  die  guten  Seiten.  Alles  was  man  dagegen ­
  anführen  kann,  erwähnte  Le  Play  nicht.
Für  die  Geschwister  des  Anerben  sieht  Le  Play  nur  Vorteile.
Sie  haben  es  eigentlich  viel  besser  als  er  selbst.  Denn
alle  Ersparnisse,  die  bei  der  einfachen  Lebensweise  gemacht  werden,  m.  a.  W.,.
alle  Erzeugnisse  des  Gutes  werden  von  ihm  (dem  Vater)  und  seinem  Erben
dazu  verwendet,  sie  in  einen  ihrem  Charakter  und  den  Gewohnheiten  der-
            
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