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nehmen kann. Die Industrie schafft nicht allein dort, wo sie sich
ausbreitet, eine neue Organisation der Gesellschaft, sie ändert auch
allmählich die soziale Verfassung der angrenzenden Länder. Das
ist noch keineswegs vollendet, aber darauf läuft die Entwicklung
in der Gegend hinaus, wo der hier beschriebene Arbeiter wohnt.
Der besondere Charakter der Gegend längs des rechten Rheinufers
ist die Anhäufung der industriellen Bevölkerung in der Umgebung
von Elberfeld und Solingen. In der Reihenfolge unserer
Monographien wird dieser Charakter hier zum ersten Male sichtbar
und zwar in dem Bande, welcher die soziale Verfassung der Stämme
behandelt, die vom Nordosten zum Südwesten, der Nordsee entlang
aufeinander folgen. Die Entwicklung der Industrie am Rhein steht
unter einem ähnlichen Einfluß wie die der Niederlande und Englands,
die sich seit einem halben Jahrhundert viel schneller vollzieht.
Dieser Einfluß ist die Nähe eines reichen Kohlenbassins —
desjenigen der Ruhr —, das zu derselben Bestimmung berufen
scheint wie die bedeutenden Kohlenlager Englands und Belgiens.
Die Industriegegend der Ruhr ist bisher weniger geeignet gewesen
als die letzteren Gebiete, diese ungeheuren Hilfsquellen auszunutzen;
aber es ist kein Grund vorhanden, das zu bereuen. Wie man im
weiteren Verlauf dieser Arbeit sehen wird, ist der soziale Gegensatz,
der die Industriegegenden Englands, Frankreichs und Belgiens
zerrüttet, die Folge des zu schnellen Aufschwungs, der ihnen durch
die unbegrenzte Kohlenproduktion aufgezwungen worden ist. Die
relativ langsame Umformung der Arbeitsgewohnheiten hat der Bevölkerung
von Elberfeld und Solingen bis heute den sozialen Frieden
bewahrt, der in Manchester und Sheffield, in Gent und Lüttich, in
Rouen und St. Etienne zum Teil schon verschwunden ist.
Die Überlegenheit, die in dieser Beziehung die rheinische Industrie
zeigt, darf zum großen Teil der ausgezeichneten sozialen
Verfassung der sächsischen Ebene zugeschrieben werden. In England
und in Belgien sitzen die Unternehmer der jungen Industrien
überall in den Handelsstädten, sie holten sich leicht ihre Arbeiter
aus der ländlichen Bevölkerung, die ohne jeden Grundbesitz ist. Das
ist am Rhein anders gewesen. Die ersten Unternehmer konnten
nur aus den Handelsstädten des Südens kommen, und die Arbeiter
sind zuerst aus den armen Wanderarbeitern des westlichen Deutschland
genommen worden, die sich gewöhnlich nach Paris wenden oder
über Bremen und die Niederlande nach Amerika gehen. Der Verfasser
hat für die Zeit von 1829—1845 konstatiert, daß die Bevöl-