Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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’)  0.  E.  I,  424.

der  ihn  zu  geologischen  oder  bergbaulichen  Untersuchungen  nach
dem  Ausland  führte.  Le  Play  betrachtete  aber  die  sozialen  Studien
als  zu  den  technischen  gehörig.  Wenn  er  sagt,  er  habe  nicht  daran
gedacht,  daß  diese  sozialen  Untersuchungen  ein  anderes  Resultat
haben  könnten,  als  eigene  Belehrung,  so  ist  das  nicht  recht  vereinbar ­
  mit  dem  während  seiner  Krankheit  im  Jahre  1830  abgelegten
Gelübde,  daß  er  die  Schäden  seines  Vaterlandes  heilen  und  zu  dem
Zwecke  jedes  Jahr  6  Monate  reisen  wolle.  Darin  ist  doch  offen  die
von  Anbeginn  an  bestehende  reformatorische  Absicht  ausgesprochen.
Lebensstellungen  und  praktische  Tätigkeiten.  Im  Jahre  1840
erhielt  Le  Play  eine  Professur  an  der  „Ecole  des  mines“  in  Paris.
Diese  Lehrtätigkeit,  die  freilich  im  Sommer  durch  die  Reisen  unterbrochen ­
  wurde,  war  mehr  als  ein  rein  technischer  Unterricht:
Die  Idee,  die  meinen  Unterricht  beherrschte  ...,  war  die,  welche  ich  seit
dem  Jahre  1829  im  Harz  und  in  der  sächsischen  Ebene  verwirklicht  gesehen
hatte.  Von  Beginn  meiner  Lehrtätigkeit  an  zeigte  ich,  daß  die  Betriebstechnik ­
  der  Notwendigkeit  untergeordnet  ist,  das  Sittengesetz  zu  lehren  und
den  abhängigen  Arbeitern  das  tägliche  Brot  zu  sichern 1 )-Nur
  8  Jahre  hat  Le  Play  die  ihm  lieb  gewordene  Tätigkeit  ausgeiibt.
  Schon  im  Jahre  1848  gab  er  sie  auf  Drängen  seiner  Freunde
ganz  auf,  um  sich  nunmehr  ausschließlich  den  sozialen  Studien  und
zunächst  der  Herausgabe  der  „Ouvriers  europeens“  zu  widmen.
Auf  die  bemerkenswerten  Umstände,  welche  dazu  führten,  wird
zurückzukommen  sein.
Unter  der  Regierung  Napoleons  und  schon  vorher  hätte  Le  Play
eine  große  politische  Rolle  spielen  können;  aber  dazu  hat  er  sich
nicht  entschließen  können.  Mehrmals  hat  er  eine  Kandidatur  zur
Kammer  zurückgewiesen,  so  1838,  1848  und  1855.  Er  wollte  kein
Mann  der  Öffentlichkeit  werden.  Doch  wurde  er  1855  Mitglied  des
Staatsrates  uud  1867  des  Senats;  in  beiden  Körperschaften  bot  er
alles  auf,  um  für  seine  Methode  Anhänger  zu  werben,  womit  er
einem  Wunsche  des  Kaisers  begegnete.  Dieser  erhoffte  von  dem
Wirken  Le  Play’s  gute  Folgen  für  die  innere  Politik,  deckte  sich
doch  sein  „Programm  von  Bordeaux“  insofern  mit  den  Absichten
Le  Play’s,  als  darin  eine  Reform  des  Erbrechts,  eine  Hebung  der
väterlichen  Autorität  angekündigt  war.  Aber  seine  Hoffnungen
hatten  wenig  Aussicht  auf  Erfüllung,  was  Le  Play  nie  verkannt ­
  hat.
            
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