Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Le  Play  hat  denn  auch  die  Fehler,  die  sich  notwendig  bei  einer
solchen  Erhebungsweise  einstellen  müssen,  nicht  vermeiden  können.
Solche  Fehler  ihm  hier  nachzuweisen,  ist  weder  nötig,  weil  sie  eben
unvermeidlich  sind,  noch  in  größerem  Umfange  möglich,  da  zu  viel
Zeit  seitdem  vergangen  ist.  Zwar  ist  es  in  einzelnen  Punkten  zufällig ­
  doch  möglich;  aber  es  hat  keinen  Zweck,  solche  Einzelheiten
hier  anzuführen.
Optimistische  Darstellung  hausindustrieller  Arbeitsverhältnisse.
  Das  Urteil  Le  Play’s  über  die  Solinger  Industrie  im  allgemeinen ­
  ist  beeinflußt  von  seinem  Ideal.  Er  erkennt  an,  daß  die
Arbeiter  sich  in  einer  „ganz  guten  Lage“  befinden,  daß  die  Produktion ­
  stetig  steigt  und  immer  mehr  Arbeitskräfte  von  außerhalb  herangezogen ­
  werden  müssen.  Doch  die  Solinger  Industrie  hat  nach  Le
Play  einen  großen  Fehler:  sie  ist  abhängig  vom  Absätze  in  der
Fremde.
ln  dieser  Beurteilung  zeigt  sich  ein  großes  Mißtrauen  gegen
jede  neuzeitliche  Industrie-Entwicklung.  Die  Autarkie  kleinster
Wirtschaftsgebiete,  am  besten  jeder  Wirtschaftseinheit,  um  durch
die  Unabhängigkeit  eine  vermeintliche  Sicherheit  zu  erzielen,  war
das  Ideal  Le  Play’s.  Und  da  er  die  Unstetigkeit,  verursacht  durch
die  Verwendung  der  Dampfkraft,  als  unvermeidliche  Wirkung  der
modernen  Fabrikindustrie  betrachtet,  befürchtet  er  für  die  Solinger
Hausindustrie,  die  in  der  Nähe  des  Ruhrkohlen-Gebietes  liegt,  den
baldigen  Beginn  des  Zeitalters  der  Unstetigkeit.  Es  sind  seine
schematischen  Vorstellungen  von  den  verschiedenen  Stadien  der
wirtschaftlichen  Entwicklung,  welche  seinen  Geist  entscheidend  beeinflussen ­
  bei  der  Darstellung  der  Solinger  Verhältnisse,  indem  sie
namentlich  die  Vergangenheit  zu  sehr  begünstigen.
Le  Play  stellt  das  Arbeitsverhältnis  in  der  Solinger  Hausindustrie ­
  folgendermaßen  dar:
Die  Beziehungen  zwischen  Unternehmern  und  Arbeitern  beschränken  sich
in  der  Regel  darauf,  in  aller  Güte  den  Preis  für  einen  Auftrag  zu  regeln,
den  der  letztere  ausführen  soll:  ihm  nach  Bedarf  Vorschuß  an  Material  und
Geld  zu  geben;  endlich,  ihm  nach  der  Lieferung  den  für  den  Auftrag  vereinbarten ­
  Preis  ganz  auszuzahlen.  Bei  dieser  unabhängigen  Lage  verfehlen  die
Arbeiter  nicht,  die  Vorteile  der  Aufschwungs-Perioden  sich  zunutze  zu  machen;
aber  ebenso  müssen  sie  die  ungünstigen  Palle  auf  sich  nehmen,  die  ein  Nachlassen ­
  der  Aufträge  mit  sich  bringt.  Doch  fühlen  sich  die  Unternehmer  verpflichtet, ­
  in  Zeiten  einer  Krise  etwas  Arbeit  anfrechtzuerhalten;  sie  geben  im
Bedürfnisfalle  den  Arbeitern,  die  sie  gewöhnlich  beschäftigen,  Vorschüsse,  für
die  sie  sich  später  aus  den  Löhnen  bezahlt  machen,  wenn  die  Arbeiten  wieder
            
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