Object : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

396  Dritter  Teil.  Industrie.  II.  Bausteine  zur  Würdigung  der  deutschen  Industrie.

um  Frankfurt  a.  M.,  Aschaffenburg.  Nürnberg  und  Stuttgart.  Das  westdeutsche  Produktionsgebiet ­
  umfaßt  die  rheinisch-westfälische  Arbeiter-  und  Sommerkonfektion.
Seine  Hauptsitze  sind  München-Gladbach,  Barmen-Elberfeld  und  die  Kreise  Minden,
Herford,  Lübbecke,  Stadt-  und  Landkreis  Bielefeld.  Die  Damenkonfektion  beschränkt
sich  auf  drei  städtische  Mittelpunkte;  ihr  Hauptsitz  ist  Berlin,  das  alle,  namentlich  bessere
und  beste  Ware  erzeugt;  in  Breslau  und  Erfurt  werden  mittlere  und  Stapelartikel
gearbeitet.  Alle  Kleiderkonfektion  haust  zum  überwiegenden  Teil  in  großen,  zumeist
sehr  großen  Unternehmungen.  Das  größte  Herren-  und  Knabenkonfektionsgefchäft  in
Breslau  fertigt  täglich  1000—1800  Anzüge,  das  größte  Damenmäntelgeschäft  daselbst
jährlich  200  000  „Piöcen",  d.  h.  Damenmäntel  und  Jacketts.  135  Personen  sind  allein
als  Geschäftspersonal  angestellt.  In  Breslau  sollen  im  ganzen  25—30  000  Schneider
und  Schneiderinnen  tätig  sein,  davon  die  große  Mehrzahl  als  Heimarbeiter  in  der
Konfektion.  In  Stettin  bestehen  etwa  30  Geschäfte  mit  mehreren  tausend  Arbeitern,
in  Aschaffenburg  6  Engrosgeschäfte  mit  etwa  2000  Arbeitern.  Der  Absatz  dieser  Riesengeschäfte ­
  erfolgt  nur  zum  kleinen  Teil  am  Herstellungsorte  selbst,  —  die  meisten
halten  allerdings  wohl  stets  ein  Detailverkaufsmagazin  —  der  überwiegende  Teil  der
Erzeugnisse  wird  in  alle  Welt  versandt;  aus  Deutschland  werden  jährlich  für  mehr  als
100  Millionen  M,  namentlich  an  Damenkonfektion,  ausgeführt.  Aber  für  viel  mehr
bleibt  im  Jnlande.  Man  schätzt  den  Wert  der  in  Deutschland  hergestellten  Konfektionswaren ­
  auf  400  Millionen  Ji,  den  der  Berliner  Mäntelkonfektion  allein  auf  120—130
Millionen  M.
Die  Wäschekonfektion,  d.  h.  im  wesentlichen  die  Herstellung  von  Damen-  und
Kinderwäsche,  hat  ihre  Hauptsitze  in  Berlin,  wo  30  Engrosfirmen  etwa  5000  Arbeiterinnen ­
  beschäftigen,  in  Breslau  und  Köln.  Sie  nimmt  ihren  Ausgangspunkt  von  zwei
Seiten  her,  von  den  Leinenhandlungen  und  von  den  Nähschulen.  Sie  unterscheidet
sich  von  den  übrigen  Zweigen  der  Konfektion  wesentlich  dadurch,  daß  ihre  Erzeugnisse
früher  der  Regel  nach  überhaupt  nicht  gewerbsmäßig,  sondern  in  der  Familie  hergestellt ­
  wurden.*)

9.  Die  optische  Industrie.
Von  Karl  Faulhaber.
Faulhaber,  Die  optische  Industrie.  In:  Handbuch  der  Wirtschaftskunde  Deutschlands.
Herausgegeben  im  Auftrage  des  Deutschen  Verbandes  für  das  kaufmännische  Unterrichtswesen.
3.  Bd.  Leipzig,  B.  G-  Teubner,  1904.  S.  456—457  und  S.  470—472.
In  Deutschland  war  der  Prediger  Duncker  zu  Rathenow  der  erste,  welcher  (im
Jahre  1800)  die  gewerbsmäßige  Herstellung  von  Brillengläsern  und  optischen  Linsen
nach  streng  wissenschaftlichen  Grundsätzen  aufnahm.
Von  hoher  Bedeutung  für  die  weitere  wissenschaftlich  praktische  Entwickelung
*)  Nach  der  Berufs-  und  Betriebszählung  vom  12.  Juni  1907  gab  es  im  Deutschen
Reiche  600128  Personen,  die  in  der  Schneiderei  und  Kleiderkonfektion,  und  48  233  Personen,
die  in  der  Wäschekonfektion  beschäftigt  waren.  Bon  der  ersteren  Kategorie  kamen  auf:  Berlin
73  733,  Breslau  18  001,  Hamburg  15  327,  Dresden  9343,  Frankfurt  a.  M.  8884,  Leipzig  8529,
Stettin  7601,  Stuttgart  5500  und  Nürnberg  4022;  von  der  letzteren  auf:  Berlin  12  224,
Breslau  763  und  Köln  520.  Statistik  des  Deutschen  Reichs,  Bd.  213,1.  Gewerbliche
Betriebsstatistik.  Bearbeitet  im  Kaiserlichen  Statistischen  Amte.  Abt.  7,  Heft  1.  Berlin,
Puttkammer  &  Mühlbrecht,  1909.  S.  20.  Statistik  des  Deutschen  Reichs,  Bd.  207,1.
Berufsstatistik.  Herausgegeben  vom  Kaiserlichen  Statistischen  Amte.  Abt.  VI  (Großstädte),
Heft  1.  Berlin,  Puttkammer  &  Mühlbrecht,  1909.  S.  35,  85,  347,  272,  165,  181,  69,  305,
263,  35.  85.  191.  —  G.  M.
            
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