Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

9.  Die  optische  Industrie.

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der  Optik  wurde  das  Wirken  Fraunhofers  in  München  (1787—1826)  und  seiner
Schüler  Utzschneider,  Merz,  Steinheil.  Nicht  zu  vergessen  sind  auch  die  Wiener
Petzval  und  Voigtländer,  welche  durch  neue  Linsenverbindungen  der  jungerstandenen
Lichtbilderkunst  (Photographie)  die  Wege  bahnten.
Neue  Ziele  wurden  der  ausführenden  Optik  durch  die  Entdeckungen  unseres
großen  Forschers  Helmholtz  und  des  berühmten  Ophthalmologen  Donders  zu  Utrecht
gewiesen.
Die  gewaltigen  Fortschritte  in  den  letzten  30  Jahren  sind  in  der  Hauptsache  dem
Jenenser  Physiker  Prof.  Dr.  Abbe  und  dem  Glashüttentechniker  Dr.  Schott  zu  danken,
denen  gemeinsam  eine  wesentliche  Verbesserung  des  optischen  Rohglases  gelang.  Das
aus  ihrem,  seit  dem  Jahre  1881  in  Jena  bestehenden  glastechnischen  Laboratorium
hervorgehende  Rohmaterial  hat  sich  bald  Weltruf  geschaffen  und  insbesondere  die
optische  Industrie  Deutschlands  in  den  Stand  gesetzt,  erstklassige  Erzeugnisse  auf  den
Weltmarkt  zu  bringen.
Von  der  gesamten  deutschen  Jahresproduktion  optischer  Erzeugnisse,  die  mit  30
bis  35  Millionen  <M  bewertet  wird,  gelangen  nach  sachverständiger  Schätzung
%—34 (  0 [j 0  mindestens  für  20  Millionen  Ji  auf  den  Weltmarkt.
Bezüglich  der  Einfuhr  wird  der  Gesamtwert  auf  rund  2%,  Millionen  M  eingeschätzt. ­
  Davon  wird  die  reichliche  Hälfte  allein  durch  Stuttgarter,  Rathenower  und
Nürnberg-Fürther  Großhandelsfirmen  eingeführt,  um  zum  Teil  wieder  ans  Ausland ­
  abgegeben  zu  werden.
Die  Erzeugnisse  Rußlands,  Schwedens,  Belgiens,  Italiens,  der  Balkanstaaten
und  der  außereuropäischen  Länder  auf  optisch-mechanischem  Gebiete  dienen  mehr  oder
weniger  nur  zur  teilweisen  Deckung  des  heimischen  Bedarfs.  Als  beachtenswerte
Wettbewerber  auf  den  Märkten  des  Auslandes  kommen  für  uns  allein  Frankreich
und  Großbritannien,  daneben  noch  Österreich-Ungarn  und  die  Schweiz  in  Betracht.
Deutschland  nimmt  aber  zurzeit  unter  diesen  unstreitig  bereits  den  ersten  Rang  ein,
trotzdem  die  Entwickelung  des  Industriezweiges  hier  erst  jüngeren  Datums  ist.
Das  gilt  sowohl  von  den  gewöhnlichen  Gebrauchsartikeln  —  Rathenower
Brillen  z.  B.  werden  heute  in  allen  Kulturländern  des  Erdballs  getragen  —  als  auch,
und  zwar  in  erhöhtem  Maße,  von  den  Erzeugnissen  für  wissenschaftliche  und  technische
Zwecke.  Unsere  empfindlichen,  genaue  Ergebnisse  verbürgenden  astronomischen,  geodätischen ­
  und  sonstigen  optischen  Präzisionswerkzeuge,  deren  besondere  Ausführungen
für  den  Export  sich  bei  größter  Festigkeit  durch  geringes  Gewicht  und  entsprechend
leichte  Transportfähigkeit  auszeichnen,  genießen  auf  dem  Weltmarkt  den  anerkannt
besten  Ruf.
Bei  dem  Bau  großer  Fernrohre  hat  sich  die  deutsche  Technik  bisher  fast  nur
im  Auslande  betätigen  können,  hierbei  aber  einen  nicht  unbedeutenden  Anteil  gehabt.
In  Deutschland  selbst  ist  ihr  erst  neuerdings  Gelegenheit  gegeben  worden,  bei  dem
großen  Refraktor  des  Potsdamer  Observatoriums  sowie  bei  dem  für  die  Berliner
Gewerbeausstellung  gebauten  Treptower  Riesenfernrohr  Proben  ihrer  Leistungssähigkeit
  zu  geben,  und  sie  hat  diese  Proben  glänzend  bestanden.  Beide  Instrumente
sind  als  Meisterwerke  der  Optik  und  Mechanik  zu  bezeichnen.
Der  Potsdamer  Refraktor  ist  in  seiner  Eigenschaft  als  Doppelteleskop  (für
photographische  Aufnahmen  mit  einem  Objektiv  von  80  cm  Durchmesser  und  für
visuelles  Beobachten  mit  einem  Objektiv  von  50  cm  Durchmesser)  wohl  das  mächtigste
Fernrohr  der  Welt.  Der  Ierkes-Refraktor  bei  Chikago  mit  einem  Objektivdurchmesser
von  105  cm  und  der  Lick-Refraktor  in  Kalifornien  mit  einem  Objektivdurchmesser  von
91  cm  sind  zwar  größer,  aber  nur  für  visuelles  Beobachten  eingerichtet;  sie  können
die  großen  Vorteile  der  Photographie  nur  nach  Einschaltung  besonderer  Hilfslinsen
-darbieten,  womit  naturgemäß  Lichtverlust  verbunden  ist.
            
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