Full text: Lenin, Vladimir Ilʹič Ulʹjanov

Am 10. April 1870 wurde dem Volksschulinspektor Ilja Nicolaevi& 
Ul’lanow, der von Kleinbürgersleuten aus Astrachan stammte und von 
NiZznij-Novgorod, wo er Gymnasiallehrer gewesen, nach Simbirsk 
berufen worden war, ein Sohn geboren, den seine Eltern Vladimir 
'TiE nannten. Mit seinen drei Geschwistern verlebte der spätere erste 
Volkskommissar in dieser damals nach ihrer Einäscherung 1848 
modern gebauten Stadt von ca. 27 000 Einwohnern seine erste Jugend, 
umgeben von den Naturschönheiten des amphitheatralisch sich auf- 
bauenden, gartenreichen Ufers des hier seeähnlich verbreiterten alten 
Wolgastromes, im Schatten des Karamsin-Denkmals. Hier besuchte 
der junge 1N’i& als Angehöriger der bevorzugten Stände — sein Vater 
hatte mit der Amtsstufe den Briefadel erhalten — das Gymnasium bis 
zur Reife für die Universität. Ein glänzendes Abiturientenzeugnis aus 
der Feder des Direktors des Gymnasiums, Kerenskij (Vater des späte- 
ten Ministers), begleitete den jungen Mann, der in den Monaten vor 
dem Examen vaterlos geworden war, auf die Universität Kazan und 
schien ihm eine spätere, gesicherte Beamtenlaufbahn als Jurist vor- 
zubereiten, die allerdings schon kurze Zeit später durch das Attentat 
seines Bruders Alexander auf den Zaren im März 1887 in Frage ge- 
stellt wurde. So waren es zwei Erbschaften, die I’i& aus dem Vater- 
hause in die Welt hinausgeleiteten. Die eine väterliche, eine solide, 
wohldokumentierte Schulbildung, und die andere, das Stigma der 
Verwandtschaft mit dem in Petersburg gehängten Zarenattentäter, 
von dem 1l’;& auch bald den Kriegsnamen „Lenin“ übernahm. Wie sich 
diese zweite Erbschaft schon nach wenigen Wochen des Universitäts- 
studiums realisiert, zeigt die Verweisung Ul’janovs von der Universi- 
tät am 15. Dezember 1887. Das Dorf Kokuschino (Gouv. Kazan) wird 
ihm als Aufenthaltsort zugewiesen. Die Zeit vergeht unter juristischen 
und staatswissenschaftlichen Studien, wobei die Werke von Karl 
Marx einen ziemlichen Raum für sich beanspruchen. — Es ist die 
Zeit, in der Lavrov und Plechanow ihre ersten Jünger im Zarenreiche 
warben, nachdem die terroristische „Narodnaja Vol’ja‘“ seit Mitte der 
30er Jahre unter dem Druck der Justiz und Administrative zerfallen war. 
— Diese Studien führen Lenin zu statistischem Maferial aus dem Wirt- 
schaftsleben der Bauernschaft. Es erkennt aus den Zahlenkolonnen der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.