36 Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre.
ich von dem gegenwärtigen Papierfranken spräche! Das )
Metallgeld, selbst das Gold, ist wie jene Parfümflaschen, in
denen im Lauf der Jahre ein Teil ihres Duftes verloren geht,
wenn sie auch noch so gut verschlossen sein mögen. Auch das
Geld läßt einen Teil seines Wertes verflüchtigen, doch behält
es davon trotz allem mehr als irgendeine beliebige sonstige
Ware.
Nun aber noch ein anderes Vorrecht des Geldes.
Weil sein Besitzer sich alles, was er wünscht, verschaffen kann,
ist er davon befreit, zur Erzeugung seiner Bedürfnisse zu ar
beiten. Jeder Mensch in dieser Welt schien dem Gesetz der ...
Arbeit unterworfen zu sein: „Im Schweiße Deines Angesichts
sollst Du arbeiten" — wer aber jene Ware besitzt, ist von dem
Gesetz ausgenommen. Ist das nicht ein Vorrecht, genau wie
das, welches einst den Edelleuten die Steuerfreiheit zubilligte?
In seinem so schönen Buche: „Die wirtschaftlichen Har
monien" (Les Harmonies Economiques), worin er vom
moralischen Gesichtspunkte alle wirtschaftlichen Erscheinungen
zu rechtfertigen sucht, bemerkt der Volkswirt Bastiat, einer
der Meister der klassischen optimistischen Schule, die Tatsache,
daß das Geld seinen Besitzer vom Arbeiten befreit; aber er ist
gar nicht darüber empört; denn, behauptet er, das Geld selbst
stellt vollendete Arbeit dar. Man braucht sich nur an den eben
erläuterten Mechanismus des Kaufs und Verkaufs zu halten,
und man wird sehn, daß die Menschen sich das Geld nur
durch den Verkauf beschaffen: was aber können sie anderes
verkaufen als die Erzeugnisse ihrer Arbeit oder ihrer Dienst
leistungen? Theoretisch stimmt das. Bastiat fügt noch hinzu:
Man muß sich vorstellen, daß jedes Geldstück folgende Inschrift
trüge: Gutschein für die und die vollendete Arbeit, den und
den erwiesenen Dienst, berechtigt seinen Besitzer zum Anspruch
auf entsprechenden Gegenwert". Der gegen dieses Geld er
worbene Wert würde also nur eine Art Einlösung darstellen.
Und selbst wenn nian sich an das Beispiel von dem auf
gefundenen Schatz hält, kann man behaupten, daß jedes der
einzelnen Geldstücke die Arbeit irgendeines Vorfahren dar
gestellt hat? i
, Ja, doch beweist nichts, daß jene Geldstücke nicht dem
jenigen, der sie verdient hatte, gestohlen waren, und daß sie
nicht von irgendeinem großen Herrn dort deponiert worden
sind, der sie von seinen Leibeigenen erpreßt hatte. Nur hat
der Besitz des Geldes jenen Vorteil, daß er von jeder Unter