24
ungelernte, der meist den benachbarten größeren Gemeinden
zustrebt und erst wieder weiterzieht, wenn keine Arbeit mehr
für ihn Vorhänden ist. Neben Baden und Württemberg zeichnen
sich Thüringen, Sachsen und die Rheinlande als Hauptherkunftsgebiete
für die gelernten Arbeitskräfte aus. Die Lage
der ungelernten Arbeiter ist weit ungünstiger. Da von ihnen
solche Arbeit verlangt wird, bei der es nur in geringem Maße
auf Geschicklichkeit, sondern fast ausschließlich auf ihre Körperkraft
ankommt, so sind sie leicht zu ersetzen. Da auch
nur die Intelligenteren zu gelernter Arbeit herangezogen werden,
ist das Angebot von ungelernter Arbeit ein außerordentlich
großes und zwar um so mehr als. in diese soziale Schicht
alle diejenigen hinabsteigen, welche in anderen Berufen Schiffbruch
gelitten haben, deren es leider in München ja Sehr
viele gibt. In der Hauptsache aber rekrutieren sich diese ungelernten
Arbeiter aus den von den umgebenden Gegenden
zugezogenen bäuerlichen Elementen, die infolge ihrer Schwerfälligkeit
zu besseren Arbeiten selten herangezogen werden
können. Ihre Zahl ist aber für München erheblich größer wie
die der gelernten Arbeiter, da gerade hier infolge der hohen
Löhne der letzteren bei der Industrie nicht nur das Bestreben
besteht, die menschliche Arbeit durch Maschinen zu ersetzen,
sondern vielfach auch die gelernten Arbeiter durch die ungelernten.
Für das Gesamtbild ist von nicht unwesentlicher Bedeutung
die starke Entwicklung des Münchener Baugewerbes, in
welchem allein x / 3 aller ungelernten Arbeiter Beschäftigung
finden.
Die gesamte Münchener Lohnarbeiterschaft rekrutiert sich
in ihrer Masse aus ganz verschiedenen Gesellschaftsschichten:
aus ehemaligen Kleinmeistern und Meisterssöhnen der vom
Großbetrieb eroberten Produktionszweige, aus gelernten Gesellen
handwerksmäßiger Berufe und derjenigen Abteilungen
der Großindustrie, die noch im wesentlichen handwerksmäßige
Arbeitsgeschicklichkeit erfordern und schließlich aus dem Taglöhnerproletariat
in Stadt und Land. Dabei macht die letzte
Schicht allein etwa 70 o/o der gesamten Lohnarbeiterschaft aus.
Sie stammen, wie wir dies schon gezeigt haben, zum geringen