Full text : München als Industriestadt

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ungelernte,  der  meist  den  benachbarten  größeren  Gemeinden
zustrebt  und  erst  wieder  weiterzieht,  wenn  keine  Arbeit  mehr
für  ihn  Vorhänden  ist.  Neben  Baden  und  Württemberg  zeichnen
sich  Thüringen,  Sachsen  und  die  Rheinlande  als  Hauptherkunftsgebiete ­
  für  die  gelernten  Arbeitskräfte  aus.  Die  Lage
der  ungelernten  Arbeiter  ist  weit  ungünstiger.  Da  von  ihnen
solche  Arbeit  verlangt  wird,  bei  der  es  nur  in  geringem  Maße
auf  Geschicklichkeit,  sondern  fast  ausschließlich  auf  ihre  Körperkraft ­
  ankommt,  so  sind  sie  leicht  zu  ersetzen.  Da  auch
nur  die  Intelligenteren  zu  gelernter  Arbeit  herangezogen  werden, ­
  ist  das  Angebot  von  ungelernter  Arbeit  ein  außerordentlich ­
  großes  und  zwar  um  so  mehr  als.  in  diese  soziale  Schicht
alle  diejenigen  hinabsteigen,  welche  in  anderen  Berufen  Schiffbruch ­
  gelitten  haben,  deren  es  leider  in  München  ja  Sehr
viele  gibt.  In  der  Hauptsache  aber  rekrutieren  sich  diese  ungelernten ­
  Arbeiter  aus  den  von  den  umgebenden  Gegenden
zugezogenen  bäuerlichen  Elementen,  die  infolge  ihrer  Schwerfälligkeit ­
  zu  besseren  Arbeiten  selten  herangezogen  werden
können.  Ihre  Zahl  ist  aber  für  München  erheblich  größer  wie
die  der  gelernten  Arbeiter,  da  gerade  hier  infolge  der  hohen
Löhne  der  letzteren  bei  der  Industrie  nicht  nur  das  Bestreben
besteht,  die  menschliche  Arbeit  durch  Maschinen  zu  ersetzen,
sondern  vielfach  auch  die  gelernten  Arbeiter  durch  die  ungelernten. ­

Für  das  Gesamtbild  ist  von  nicht  unwesentlicher  Bedeutung ­
  die  starke  Entwicklung  des  Münchener  Baugewerbes,  in
welchem  allein  x / 3  aller  ungelernten  Arbeiter  Beschäftigung
finden.
Die  gesamte  Münchener  Lohnarbeiterschaft  rekrutiert  sich
in  ihrer  Masse  aus  ganz  verschiedenen  Gesellschaftsschichten:
aus  ehemaligen  Kleinmeistern  und  Meisterssöhnen  der  vom
Großbetrieb  eroberten  Produktionszweige,  aus  gelernten  Gesellen ­
  handwerksmäßiger  Berufe  und  derjenigen  Abteilungen
der  Großindustrie,  die  noch  im  wesentlichen  handwerksmäßige
Arbeitsgeschicklichkeit  erfordern  und  schließlich  aus  dem  Taglöhnerproletariat ­
  in  Stadt  und  Land.  Dabei  macht  die  letzte
Schicht  allein  etwa  70  o/o  der  gesamten  Lohnarbeiterschaft  aus.
Sie  stammen,  wie  wir  dies  schon  gezeigt  haben,  zum  geringen
            
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