Full text : München als Industriestadt

Glasmaler,  Faßmaler,  Glaser  und  Terrakotisten.  Bei  unserer
Erhebung  waren  neben  diesen  Lehrlingen  und  5  Hausdienern
150—160  Arbeiter  im  Betriebe  tätig,  während  nach  Angaben
Sinzheimers  im  Jahre  1893  ca.  300  und  nach  Rauecker  im
Jahre  1910  nicht  ganz  200  Arbeiter  Beschäftigung  fanden.  Von
den  Arbeitern  sind  einige  Bildhauer  akademisch  gebildet,  die
große  Mehrzahl  aber  steht  auf  der  Stufe  der  besseren  Arbeiter,
der  „Virtuosenarbeiter“.  Sie  sind  teilweise  organisiert.  Welche
Berufsorganisationen  in  Betracht  kommen,  ist  dem  Betriebe
nicht  bekannt,  es  dürfte  jedoch  nach  den  uns  gemachten  Angaben ­
  die  Mitgliedschaft  an  den  christlichen  Gewerkschaften
überwiegen.  Tarifvertrag  herrscht  nicht;  die  Löhne  bewegen
sich  zwischen  3  und  10  Mark  pro  Tag,  betragen  aber  je  nach
Art  der  Betätigung  und  je  nach  Beschaffenheit  des  Werkes
auch  bedeutend  mehr.
In  die  große  Gruppe  des  Kunstgewerbes  müssen  wir  unbedingt ­
  auch  die  Münchener  Wachsindustrie  zählen.
So  alt  wie  die  Sitte  der  religiösen  Opfergaben  irgend
einer  Art  ist  die  Spende  von  Weihe-(Votiv-)Gaben  aus  Wachs.
Auch  das  Christentum  vermochte  sich  diesem  volkstümlichen
Brauche  nicht  zu  entziehen.  Um  aber  nun  auch  dem  Ärmsten
die  Möglichkeit  zu  bieten,  jenem  Empfinden  gerecht  zu  werden, ­
  bestimmte  die  Kirche  als  Hauptmaterial  für  derlei  Gegenstände ­
  das  Wachs.  Die  Wahl  dieses  außerordentlich  bildsamen
Naturproduktes  legte  dessen  künstlerische  Verarbeitung  sofort
nahe.  So  sehen  wir  denn  auch  neben  der  nicht  selten  prächtig
verzierten  Votivkerze  jene  originellen  Wachsgußwerke  entstehen, ­
  die  insbesondere  an'  Wallfahrtsorten  ein  stark  begehrter
Artikel  waren.
München  ist  schon  vor  vielen  hundert  Jahren  ein  für  das
Wachsziehergewerbe  ganz  bekannter  Platz  gewesen.  Die  Wachszieherei ­
  und  Lebzelterei  gehört  mit  zu  den  urältesten  Gewerben ­
  der  Stadt.  Auch  die  heutige  K.  B.  Hof-Wachs  warenfabrik
  und  Wa  ch  s  bl  e  i  ch  e  r  ei,  Firma  Joseph
Gautsch,  besteht  schon  heit  mehreren  Jahrhunderten.  Der
damals  noch  kleine  Wirkungskreis  des,  Geschäftes  erstreckte
sich  auf  die  Deckung  des  Bedarfes  an  Wachskerzen  einer  beschränkten ­
  Anzahl  von  Kirchen  und  eines  kleinen  Kunden ­
            
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