Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

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dustrie  sehr  langsam  entgegen?),  da  sein  privatkapitalistischer
Standpunkt  möglichst  hoher  Einnahmen  gegen  jede  Tarifermäßigung ­
  sprechen  mußte,  ja  er  hinderte  sogar  die  Steigerung
der  Leistungsfähigkeit  der  Oderschiffahrt  —  z.  B.  den  Bau  eines
Oderumschlaghafes  in  Oppeln  Ende  der  1880er  Jahre  —  aus
Furcht,  der  Wassertransport  könnte  die  Rentabilität  der  Staatseisenbahnen ­
  gefährden^).  Allerdings  spielte  vielleicht  auch  das
agrarische  Interesse  hierbei  eine  bedeutende  Rolle,  die  ungestüm
fortschreitende  Industrialisierung  des  Landes  nach  Kräften  zu
zügeln.
Den  Absatz  der  oberschlesischen  Kohle  und  Eisenprodukte  be-i
trafen  diese  Transportschwierigkeiten  in  gleichem  Maße,  wenn
auch  die  Steinkohle  durch  ihre  unvergleichlich  niedrigen  Gestehungskosten ­
  die  als  Folge  des  teuren  Transports  entstehende
Schwächung  ihrer  Konkurrenzkraft  für  bestimmte  Marktentfernungen ­
  noch  einigermaßen  ertragen  konnte.
Die  Oberschlesische  Eisenindustrie  aber  trafen  noch  außerdem ­
  andere  Schwierigkeiten^).  Der  seit  Jahrzehnten  so  wenig
lohnende  Geschäftsgang  hatte  den  oberschlefischen  Eisenhütten
nicht  erlaubt,  größere  Aufwendungen  für  die  Modernisierung
ihrer  Anlagen  zu  machen,  die  doch  im  Hinblick  auf  die  epochemachenden ­
  Erfindungen  der  Eisenhüttentechnik  dringend  erforderlich ­
  waren.  Sie  klebten  an  dem  teuer  arbeitenden  Puddelverfahren^),
  während  die  westdeutschen  Werke  dasselbe  zum
überwiegenden  Teile  sofort  stilllegten  und  an  seiner  Statt  neue
Konverteranlagen  in  Betrieb  setzten,  die  mit  erhöhter  Qualität
des  erzeugten  Eisens  zugleich  eine  bedeutende  Ermäßigung  der
Produktionskosten  erzielen  ließen.  So  konnte  das  in  jeder  Hin-1)

  Allerdings  ist  der  Staatsbahnverwaltung  zuzugestehen,  daß
sie  nach  bestem  Wissen  und  Gewissen  die  Tarifpolitik  handhabt,
s.  a.  W.  Latz  I,  S.  96.
2)  W.  Eras,  „Die  Organisation  des  Binnenschiffahrtsbetriebes."
1887.
3)  H.  G.  Heymann,  C.  185  f.
4)  Die  Vereinigte  Königs-  und  Laurahütte  dagegen  erwarb
schon  Mitte  der  1880  er  Jahre  die  Thomas-  und  Gilchristpatente,
doch  behielt  ihr  Puddlingsbetrieb  seine  ganze  Ausdehnung  und
Bedeutung.
            
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