Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Königtums. 11 
II. 
Ein Überblick über die Welt der territorialen Bildungen 
um die Mitte des 13. Jahrhunderts lehrt freilich, daß eine 
Gruppe derselben, die geistlichen Territorien, längst nicht mehr 
die große Rolle früherer Jahrhunderte spielte. War die Lage 
der Pfaffenfürsten noch in den letzten Jahrzehnten der staufischen 
Herrschaft sehr selbständig gewesen!, so ging dieser Vorteil 
während des Interregnums verloren. Sehr natürlich. Die 
territoriale Gewalt selbst der wichtigsten Pfaffenfürsten, der 
drei rheinischen Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, war 
an sich nicht groß; ihre Einnahmen standen weit hinter denen 
größerer Laienfürsten zurück; der Markgraf von Brandenburg 
z. B. war finanziell um etwa das Sieben- bis Fünfzehnfache 
mächtiger als sie. So beruhte ihre Bedeutung vor allem auf 
der Verbindung mit der Kurie; nur so lange sie die natürlichen 
Organe kräftigen päpstlichen Einflusses in Deutschland waren, 
überflügelten sie manchen Laienfürsten. Während des Inter— 
regnums, wo dieser Einfluß infolge des Mangels einer könig⸗ 
lichen Gewalt keine Möglichkeit der Bethätigung fand, hörte 
man darum weniger von ihnen; gegen Ende des 13. Jahrhunderts 
dagegen und noch in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahr⸗ 
hunderts, in einer Periode häufiger Königswahlen, und hin 
— D — natio⸗ 
naler Verfassung unter Ludwig dem Bayern und Karl IV. 
machten sie noch einmal sich entschieden genug geltend. 
Im übrigen waren die Gebiete der Pfaffenfürsten, an sich 
als Kirchengut viel beständiger in ihren Grenzen und ihrer 
Ausgestaltung als die der Laienfürsten, in ihrer Bedeutung 
doch wieder dadurch teilweis lahmgelegt, daß sie, soweit sie im 
Kolonialgebiet lagen, zumeist den Landesgewalten der Laien— 
fürsten untergeordnet waren, soweit sie sich aber im Mutterland 
befanden, grade das Centrum der mutterländischen Entwicklung, 
den Südwesten, nicht beherrschten. Denn dichter aneinander— 
1 S. Band III S. 272.
	        
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