Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

1.14

wie  die  Saline  Wilhelmshall  bei  Schwenningen,  ist  folgendes  zu  berichten.  Auf
einen  Antrag  des  um  das  württembergifche  Salinenwesen  hochverdienten  Friedrich ­
  von  Alberti,  dermals  Salinen-Verwalter  von  Wilhelmshall,  Mitglied  der
allgemeinen  schweizerischen  Gesellschaft  für  die  gesamten  Naturwissenschaften,  wurden ­
  im  März  1824  zwei  Bohrversnche  bei  Rottenmünster  unternommen  *).  Veranlassung ­
  zu  diesen  Bohrversucheu  gaben  mehrere  Gründe.  Bor  allem  ließ  die
wenig  günstige  wirtschaftliche  Lage  der  Saline  Wilhelmshall  bei  Schwenningen
das  Entstehen  einer  neuen  Saline  wünschenswert  erscheinen,  war  doch  diese  auf
drei  Seiten  von  badischem  Gebiet  umgeben,  wobei  erschwerend  der  Mangel  jeglicher ­
  Verkehrsstraßen  und  das  nicht  ausreichende  Aufschlagwasser  für  den  Betrieb ­
  der  Bohrlöcher  in  Frage  kam.  Weiter  wurde  der  Salinenbetrieb  bei
Schwenningen  nicht  unwesentlich  dadurch  verteuert,  daß  alles  Brennholz  aus  der
Gegend  von  Rottweil  angefahren  werden  mußte.  Aus  diesen  Gründen  und  da
die  Gebirgsformation  bei  Rottweil  auf  das  Vorhandensein  von  Steinsalz  schließen
ließ,  sah  sich  der  Salinenverwalter  Friedrich  von  Alberti  zu  dem  oben  genannten
Antrag  veranlaßt.  Die  Bohrversuche  wurden  in  der  Nähe  von  Rottweil  bei
der  Königl.  Domäne  Rottenmünster,  einem  aufgehobenen  Frauenkloster,  vorgenommen, ­
  auf  welcher  Domäne  mehrere  Gebäude  für  eine  Saline  verfügbar  waren. ­
  Von  beiden  Bohrlöchern  wurde  eins  mehr  am  Ausgehenden  bei  Rottenmünster ­
  am  Neckar  niedergebracht;  das  zweite  Bohrloch  wurde  am  Primbache
angesetzt,  nicht  weit  vom  Einfluß  des  Baches  in  den  Neckar,  etwa  5000  Fuß
von  Rottenmünster  entfernt.  Dieses  Bohrloch  lag  mehr  im  Fallenden  der  Flöze.
Ueberdies  boten  beide  Ansatzpunkte  die  notwendige  Wasserkraft  zum  Betrieb  der
Bohrlöcher.  An  dem  kleinen  Flüßchen  Prim  wurden  später  noch  weitere  3  Bohrlöcher, ­
  Nr.  2—4  angesetzt  und  zwar  befand  sich  das  Bohrloch  Nr.  2  von  Nr.  1
etwa  30  Fuß,  Bohrloch  Nr.  3  von  Nr.  2  etwa  1500  Fuß  talaufwärts  und
Bohrloch  Nr.  4  von  Nr.  3  etwa  80  Fuß  entfernt.  Da  der  Neckar  unter  der
Brücke  bei  Rottweil  1926  Fuß  über  dem  Meeresspiegel  liegt,  so  ergab  die  Lage
der  Hängebank  des  Klosterbohrloches  1961  Fuß,  des  Bohrloches  Nr.  1  und  2
an  der  Prim  1978  Fuß  und  von  Nr.  3  und  4  1987  Fuß  über  dem  Meere.
Nachdem  das  Bohrloch  Nr.  1  an  der  Prim  vollendet  war,  wurde  im  Dezember ­
  1824  das  Bohrloch  am  Kloster  verlassen,  weil  die  dort  erbohrte  Lagerstätte ­
  nur  5  Fuß  Steinsalz  zeigte,  überdies  ein  sehr  unganzes  Dach  hatte.  Im
Sommer  des  Jabres  1824  hatte  man  die  Saline  Wilhelmshall  bei  Rottenmünster
  mit  4  Siedehäusern  eröffnet.  Die  Saline  liegt  am  rechten  Ufer  des
Neckars  an  der  großen  Heerstraße  nach  der  Schweiz.  Im  Januar  1826  fanden
die  Bohrversuche  bei  Rottenmünster  ihren  vorläufigen  Abschluß.  Aus  der  Tatsache, ­
  daß  man  an  der  Prim  je  zwei  und  zwei  Versuche  neben  einander  gesetzt
hatte,  ergab  sich  für  die  Lagerungsverhältuisse  des  Salzgebirges  manches  Interessante. ­
  Alberti  zog  aus  diesen  seinen  Versuchen  folgende  Schlüsse.  Er  ersah
den  Beweis  erbracht,  daß  das  Steinsalz  Württembergs  nicht  in  Flözen,  sondern
in  Stöcken  lagere.  Das  Bohrloch  am  Kloster  und  Nr.  4  bestätigte  ihm  eine
frühere  Beobachtung,  daß,  wenn  sich  der  Salzton  über  dem  Steinsalz  stark  gesalzen ­
  zeigte,  das  reinere  Steinsalz  in  um  so  geringerer  Mächtigkeit  auftritt.
Alberti  schloß  weiter  nach  dem  geologischen  Ergebnis  der  Bohrlöcher  unter  einander, ­
  daß  je  näher  die  Bohrungen  nach  Neufra  bis  Aldingen  und  nach  Göls-1)
  Friedrich  von  Alberti,  Die  Gebirge  des  Königreichs  Württemberg.  1826.
            
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