Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

116

Wasserkraft  betrieben.  Wie  aus  der  Saline  Schwenningen  benutzte  man  auch
auf  der  Saline  Rottenmünster  in  den  ersten  Betriebsjahren  Torf  als  Brennmaterial. ­
  Durch  Bohrversuche  in  der  Umgegend  hatte  man  beträchtliche  Torflager ­
  erschlossen,  so  bei  Dürkheim,  Gosheim,  Schura,  Winzeln  und  Röthenberg.
Mit  der  Anlieferung  des  Brenntorfs,  der  sich  übrigens  durch  die  Fracht  teilweise ­
  recht  erheblich  verteuerte,  beschäftigten  sich  Gemeinden  und  Private.  Zur
Unterbringung  des  Torfs  wurden  in  den  Jahren  1829  und  1830  auf  der  Saline ­
  drei  Torfmagazine  errichtet.  Um  dieselbe  Zeit  wurde  der  Berwaltungssitz
der  beiden  Salinen  Schwenningen  und  Rottenmünster,  die  den  gemeinschaftlichen
Namen  „Wilhelmshall"  führten,  von  Schwenningen  nach  Rottenmünster  verlegt,
zu  welchem  Zweck  das  Schwenninger  Beamtenhaus  abgebrochen  und  in  Rottenmünster ­
  neuerrichtet  wurde.  Als  am  14.  Juni  1829  das  Südhaus  Nr.  3  auf
der  Saline  Rottenmünster  niederbrannte,  benutzte  man  diese  Gelegenheit,  in  dem
dafür  neuerbauten  Sudhause  eine  technische  Neuerung  zur  Durchführung  zu
bringen.  Das  neue  Gesied  wurde  für  Dampfbenutzung  eingerichtet.  Unter  der
Leitung  des  Salinenverwalters,  nachmaligen  Bergrats  von  Alberti,  welcher  der
Saline  seit  ihrer  Gründung  30  Jahre  vorstand,  entwickelte  sich  Rottenmünster
zu  einer  Muster-Saline.  Durch  mannigfache  Versuche  war  es  gelungen,  das
Salzausbringen  ans  1  Klafter  Tannenholz  von  durchschnittlich  29  bis  30  Ztr.
bis  auf  47  Ztr.  zu  steigern.  Dabei  wurde  ein  Qualitätssalz  ersten  Ranges  erzielt. ­
  Die  Brennholzfeuerung  gestaltete  sich  jedoch  im  Laufe  der  Zeit  immer
kostspieliger,  so  daß  der  rationelle  Betrieb  immer  mehr  in  Frage  gestellt  wurde.
Um  die  Gründungszeit  der  Saline  kam  die  Klafter  Brennholz  auf  6  fl.  zu
stehen,  bis  zum  Jahre  1864  war  dieser  Preis  bis  auf  10%  fl.  gestiegen.  Angesichts ­
  dieser  Preisentwicklung  lag  der  Gedanke  nahe,  eine  andere  Befeuerung
der  Pfannen  in  Frage  zu  ziehen.  In  den  Jahren  1862  bis  1863  wurden  denn
auch  sämtliche  Siedepfannen  zu  Rottenmünster  für  Steinkohlenfeuerung  eingerichtet. ­
  Das  Personal  der  Saline  Rottenmünster  bestand  im  Jahre  1829/30
aus  63  Mann;  in  den  1850er  Jahren  mußte  dann  die  Zahl  des  tätigen  Personals ­
  erheblich  herabgesetzt  werden,  da  die  inzwischen  neuerstandenen  Schweizersalinen ­
  den  Salzabsatz  Rottenmünsters  mehr  und  mehr  schmälerten.  Noch  im
Jahre  1846/47  betrug  der  Salzverkauf  ins  Inland  53  761,27  Ztr.  und  an  die
Schweiz  135  834,56  Ztr.  Zehn  Jahre  später  war  dieser  Salzverkanf  ans
29  138,75  Ztr.  für  das  Inland  und  auf  86  133,88  Ztr.  für  die  Schweiz  gefallen. ­
  Der  Absatz  wurde  noch  geringer,  als  bald  darauf  die  Salzlieferungsverträge ­
  niit  den  Kantonen  Bern  und  Luzern  zu  Ende  gingen.  Da  außerdem
die  Salzversorgung  der  Hohenzollernschen  Lande  gleichfalls  in  Fortfall  kam,  da
dieselben  durch  die  neuerbaute  preußische  Saline  Stetten  bei  Haigerloch  mit  Salz
versehen  wurden,  so  ergab  sich  für  die  Saline  Rottenmünster  notgedrungen  eine
Betriebseinschränkung.  Man  entschloß  sich  daher,  von  den  Siedehäusern  im
Sommer  drei  und  im  Winter  nur  zwei  im  Betrieb  zu  halten.
Die  Inangriffnahme  des  Steinsalzbergbaues  zu  Rottenmünster  seitens  der
württembergischen  Regierung  war  im  wesentlichen  auf  die  Anregung  der  Stände
und  insbesondere  durch  den  Berichterstatter  der  Finanz-Kommission  über  die  Salinen, ­
  Deffner,  erfolgt.  Diese  ersten  Anregungen  gingen  bis  auf  das  Jahr  1833
zurück;  aber  erst  im  Etat  von  1836  erschienen  die  ersten  Summen  der  Baukosten ­
  des  zu  Rottenmünster  geplanten  Steinsalzbergbaues.  Man  hatte  einen
Baukostenanschlag  von  238  100  fl.  56  kr.  aufgestellt,  worunter  der  abzuteufende
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.