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transport der erwähnten zehn Transportwagen wurde durch zwei Pferde besorgt.
In der Zwischenzeit wurden hier erhebliche technische Neuerungen durchgeführt.
So wurde nach dem letzten Hanptfinanzetat 1907/09 eine fast neue Mühlen
einrichtung geschaffen, auch das Mühlengebäude selbst vergrößert J ). Beide Neue
rungen verursachten einen Baukostenaufwand von 121 999,28 M. Der gleich
falls vorgenommene Ban eines mechanischen Salztransportes verursachte 39 706 M.
Kosten.
Was die Arbeitsverhältnisse auf dem kgl. Salzbergwerk Friedrichshall be
trifft, so zeigten diese Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fol
genden Stand ^). Die Abbauarbeiten wurden im Gedinge vergeben. Es er
hielt der Häuer beim Einbruch 2 fl. 20 kr. für den Kubikmeter samt Förderung
ans etwa 20 in Entfernung, ohne Förderung 2 fl. 12 kr.; auf der Straße
1 fl. 6 kr. und ans dem Querstraßenbau 54 kr. In achtstündiger Schicht pflegte
ein Häuer in der Regel 1 Kubikmeter im Einbruch und ans der Straße 2 Ku
bikmeter zu gewinnen. Ein Kubiknieter enthielt etwa 40 Ztr. Salz. Der Ge-
dinglohn der Förderer in der Grube stellte sich ans 0,24 kr. für den Zentner
bei einer durchschnittlichen Entfernung von 160 rn. Für die Beförderung des
Salzes in der Grube dienten eiserne Transportwagen, die auf eisernen Schienen
liefen und die 14 Ztr. Fassungsraum besaßen.
Zur Sprengarbeit bediente man sich eines sehr schwachen Pulvers, das aus
Natronsalpeter, nicht aus Kalisalpeter bestand. Als besonderen Vorzug dieses
Natronsalpeters empfand man, daß er bei Luftzutritt angezündet nicht explodierte,
sondern ruhig verbrannte. Der Preis dieses Pulvers stellte sich frei Grube auf
15,5 fl. für den Zentner. Von der Verwendung des Dynamits sah man ab,
da es einmal erheblich teurer, anderseits auch die Wetter verschlechterte und das
Salz zu sehr zerkleinerte. Für einen im Einbruch gewonnenen Kubikmeter Salz
waren 3 Pfund Pulver erforderlich, beim Abbau auf der Straße dagegen nur
1 3 /i0 Pfund. Zur Herstellung der Bohrlöcher für die Sprengarbeit wurde die
Lisbeth'sche Handbohrmaschine verwendet. Geleucht und Pulver hatte der Ar
beiter auf seine Kosten zu beschaffen, während das Gezähn von der Grnbenver-
waltung gestellt wurde.
Im Jahre 1875 zeigte die Belegschaft auf dem Salzbergwerk Friedrichs
hall folgende Zusammensetzung. Es waren tätig:
1 Obersteiger
65 Häuer
10 Förderer.
Insgesamt also 76 Mann. Um das Jahr 1875 wurde eine Vergrößerung
der Scheidebühne beim Steinsalzschacht vorgenommen, welche Arbeiten 10365,21 fl.
Kosten verursachten. In den 1880 er Jahren wurde im Fricdrichshaller Berg
werksbetrieb eine tägliche Förderung von durchschnittlich 5000 Ztr. erreicht.
Ganz unerwartet sollte der Bergwerksbetrieb eine langdauernde Unter
brechung erfahren. Am 15. September 1895, einem Sonntagnachmittag, ging
unvermutet ein Einsturz der Decke im ältesten Teil des abgebauten Feldes vor
sich. Ein hiermit verbundener starker Wassereinbruch setzte das Salzbergwerk
in kurzer Zeit unter Wasser. Nur dem glücklichen Umstand, daß es ein Sonn-
1) Verhandlungen d. württ. Kammer 1907. Haupt-Etat S. 685.
2) Oesterroichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen. Jahrg. 1876, S. 415.
3) Verhandlungen d. württ. Kammer d. Abg., Jahrg. 1875. II. Beil.-Bd. S. 316.