Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

139

transport  der  erwähnten  zehn  Transportwagen  wurde  durch  zwei  Pferde  besorgt.
In  der  Zwischenzeit  wurden  hier  erhebliche  technische  Neuerungen  durchgeführt.
So  wurde  nach  dem  letzten  Hanptfinanzetat  1907/09  eine  fast  neue  Mühleneinrichtung ­
  geschaffen,  auch  das  Mühlengebäude  selbst  vergrößert  J ).  Beide  Neuerungen ­
  verursachten  einen  Baukostenaufwand  von  121  999,28  M.  Der  gleichfalls ­
  vorgenommene  Ban  eines  mechanischen  Salztransportes  verursachte  39  706  M.
Kosten.
Was  die  Arbeitsverhältnisse  auf  dem  kgl.  Salzbergwerk  Friedrichshall  betrifft, ­
  so  zeigten  diese  Mitte  der  siebziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  folgenden ­
  Stand  ^).  Die  Abbauarbeiten  wurden  im  Gedinge  vergeben.  Es  erhielt ­
  der  Häuer  beim  Einbruch  2  fl.  20  kr.  für  den  Kubikmeter  samt  Förderung
ans  etwa  20  in  Entfernung,  ohne  Förderung  2  fl.  12  kr.;  auf  der  Straße
1  fl.  6  kr.  und  ans  dem  Querstraßenbau  54  kr.  In  achtstündiger  Schicht  pflegte
ein  Häuer  in  der  Regel  1  Kubikmeter  im  Einbruch  und  ans  der  Straße  2  Kubikmeter ­
  zu  gewinnen.  Ein  Kubiknieter  enthielt  etwa  40  Ztr.  Salz.  Der  Gedinglohn
  der  Förderer  in  der  Grube  stellte  sich  ans  0,24  kr.  für  den  Zentner
bei  einer  durchschnittlichen  Entfernung  von  160  rn.  Für  die  Beförderung  des
Salzes  in  der  Grube  dienten  eiserne  Transportwagen,  die  auf  eisernen  Schienen
liefen  und  die  14  Ztr.  Fassungsraum  besaßen.
Zur  Sprengarbeit  bediente  man  sich  eines  sehr  schwachen  Pulvers,  das  aus
Natronsalpeter,  nicht  aus  Kalisalpeter  bestand.  Als  besonderen  Vorzug  dieses
Natronsalpeters  empfand  man,  daß  er  bei  Luftzutritt  angezündet  nicht  explodierte,
sondern  ruhig  verbrannte.  Der  Preis  dieses  Pulvers  stellte  sich  frei  Grube  auf
15,5  fl.  für  den  Zentner.  Von  der  Verwendung  des  Dynamits  sah  man  ab,
da  es  einmal  erheblich  teurer,  anderseits  auch  die  Wetter  verschlechterte  und  das
Salz  zu  sehr  zerkleinerte.  Für  einen  im  Einbruch  gewonnenen  Kubikmeter  Salz
waren  3  Pfund  Pulver  erforderlich,  beim  Abbau  auf  der  Straße  dagegen  nur
1 3 /i0  Pfund.  Zur  Herstellung  der  Bohrlöcher  für  die  Sprengarbeit  wurde  die
Lisbeth'sche  Handbohrmaschine  verwendet.  Geleucht  und  Pulver  hatte  der  Arbeiter ­
  auf  seine  Kosten  zu  beschaffen,  während  das  Gezähn  von  der  Grnbenverwaltung
  gestellt  wurde.
Im  Jahre  1875  zeigte  die  Belegschaft  auf  dem  Salzbergwerk  Friedrichshall ­
  folgende  Zusammensetzung.  Es  waren  tätig:
1  Obersteiger
65  Häuer
10  Förderer.
Insgesamt  also  76  Mann.  Um  das  Jahr  1875  wurde  eine  Vergrößerung
der  Scheidebühne  beim  Steinsalzschacht  vorgenommen,  welche  Arbeiten  10365,21  fl.
Kosten  verursachten.  In  den  1880  er  Jahren  wurde  im  Fricdrichshaller  Bergwerksbetrieb ­
  eine  tägliche  Förderung  von  durchschnittlich  5000  Ztr.  erreicht.
Ganz  unerwartet  sollte  der  Bergwerksbetrieb  eine  langdauernde  Unterbrechung ­
  erfahren.  Am  15.  September  1895,  einem  Sonntagnachmittag,  ging
unvermutet  ein  Einsturz  der  Decke  im  ältesten  Teil  des  abgebauten  Feldes  vor
sich.  Ein  hiermit  verbundener  starker  Wassereinbruch  setzte  das  Salzbergwerk
in  kurzer  Zeit  unter  Wasser.  Nur  dem  glücklichen  Umstand,  daß  es  ein  Sonn-1)

  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  1907.  Haupt-Etat  S.  685.
2)  Oesterroichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Jahrg.  1876,  S.  415.
3)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.,  Jahrg.  1875.  II.  Beil.-Bd.  S.  316.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.